
SDMS
19. Januar 2023
Gutschein
5. Februar 2023Ja/Nein/Vielleicht
Ja, ich konnte und wollte dem Drängen meiner Münchener Freundin nicht widerstehen und meldete mich tatsächlich zu der Veranstaltung an. Und nicht nur, um mein Buch zu promoten, sondern einfach, weil ich auf der Bühne, welcher Art, Beschaffenheit und Größe auch immer, stehen und oder sitzen will. Ich im Scheinwerferlicht. „Licht aus, Spot an“, wie es bei Ilja Richter früher, ganz früher, immer hieß.
Steckt in mir eine Rampensau oder eine Nichte derselben? Ich weiß es nicht, aber ich werde es herausfinden. Ich bin überzeugt, dass ich es kann. Mehr kann als „nur“ aus meinem Buch vorlesen. Stehen im Rampenlicht, sechs ganze Minuten lang: Kurzer Ruhm? Vielleicht. Vielleicht auch der Beginn zu etwas Höherem, Größerem. 😉Wer weiß das schon? Ich selbst am allerwenigsten.
In der Therapie habe ich fast das gesamte letzte Jahr über an meinen Problemen mit dem „Gesehen“, dem Wahrgenommen werden gearbeitet, intensiv. Aber das so etwas dabei am Ende herauskommen kann, damit habe ich nicht einmal selbst gerechnet. Dabei bin ich im Rechnen gut!
Ich fühle mich gut, nein, super. Seitdem ich die Bestätigung der Teilnahme bekam, liegt ein Lächeln auf meinen Lippen, wann immer ich daran denke. Ich habe alle meine Freunde informiert, damit ich nicht doch noch einen Rückzieher kurz vor knapp mache, obwohl, wohl doch eher, um meine Freude zu teilen. Kneifen gilt nicht. Und ich will dahin! Nach München. In die Buchhandlung. Auf die Bühne. Sechs Minuten für mich allein! Im Bühnenlicht. Ich traue es mir zu, andere auch. Aber es geht nicht um andere, sondern um mich selbst.
Ich freue mich, dass ich mich getraut habe. Wieder ein Entwicklungsschritt weiter. Und ich habe für die Entscheidungsfindung weniger als zwei Stunden gebraucht, ich bin stolz auf mich. Und das sind meine Freunde und Freundinnen auch, die Unterstützung kam prompt. Unterstützung. Denn die brauche ich ab und zu noch, so wie ein Lahmer Krücken oder einen Rollator. Ich bin dankbar für ihre Zuwendung.
Aber, und jetzt kommt das aber, es gibt da noch ein Problem, für mich. Weil ich bin, wie ich bin. Meine Freundin, die Autorin, der habe ich noch nichts gesagt, geschrieben. Ich weiß warum, in Abwandlung des Spruches/Gebots „Du sollst haben keine Göttin neben mir“. Offene Bühne… Was, wenn ich es ihr schreibe, und sie bewirbt sich selbst? Wäre das wirklich so schlimm? Ist es Konkurrenz oder eine Koexistenz? Ich schreibe von einer Frau, die mich durch unzählige Höhen und Tiefen begleitet hat. Einer Wegbegleiterin der ersten Stunde. Die ich wirklich bewundere, auch oder gerade, weil ich weiß, dass auch bei ihr nicht alles Gold ist, was glänzt. Und ich finde ihre Romane sehr glänzend. Woher also der „Wettbewerb“, der doch nur bei mir im Herz, naja auch Kopf stattfindet? Ist es legitim mal ein Einzelstellungsmerkmal haben zu wollen? Habe ich es nicht auf meine Art schon längst, das Alleinstellungsmerkmal? Spricht das immer noch das Kindheitstrauma des Übersehen Werdens aus mir? Der Verstand sagt „So ein Quatsch“, aber die Seele spricht deutlich eine andere Sprache. Es geht um sechs Minuten. Auf einer Bühne in einer Buchhandlung, nicht um das Congress Centrum in Hamberg, und trotzdem! Ich weiß, dass noch andere auftreten, aber die berühren mich hier und heute nicht!
Meine Entwicklung macht etwas mit unserer Freundschaft, wie wenn an einem Spinnennetz an einer Stelle gezogen wird. Aber ich will, dass alles so bleibt wie es war. Dafür könnte ich jetzt mit dem Fuß aufstampfen, als wenn das was bringen würde. Wie ein kleines Kind. Und genau dieser Ausspruch ist der Schlüssel. Das kleine Kind in mir will keine Konkurrenz aus einem Kreis von Vertrauten, das kleine Kind in mir will das Scheinwerferlicht für sich allein! Und die Erwachsene in mir? Die denkt nach und schreibt den Beitrag morgen weiter, heute gibt es mit meinem Besuch andere Dinge zu erleben😊
Als ich meiner Nichte später am Tag von meinem Dilemma erzählte, lachte sie nur und sagte „Tante, Du hast ein Egoproblem!“ Im Grunde hat sie Recht, auch wenn tatsächlich noch deutlich mehr dahintersteckt.
Inzwischen hat das erwachsene Ich die Führung übernommen, ich habe meiner Freundin geschrieben und gefragt, ob sie mitkommen möchte. Das „ja“ als Antwort finde ich gut, ich habe wieder etwas über mich selbst gelernt. Und freue mich, sollte sie auch Redezeit bekommen haben, wovon ich noch keine Kenntnis habe, auf ihren Vortrag.
Und lache über mich selbst und meine Kleingeistigkeit 👻👻




