Veränderung fängt im Kopf an

2023 – 365 Möglichkeiten

1. Januar 2023

Bonjour Tristesse. Nein danke!

15. Januar 2023

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Von Diäten und anderen Abscheulichkeiten…

Romane sind zurzeit nicht so mein Ding, ich weiß auch nicht warum. Weder Kriminal- noch Liebesromane, dabei habe ich zumindest dem Titel nach noch ganz tolle Bücher im Bücherschrank stehen😉Und die Bücher haben ja beim Kauf mit mir gesprochen, sonst hätte ich sie nicht mitgenommen. Wahrscheinlich Esperanto.

Mir haben es momentan andere Bücher angetan, zuletzt las ich in genau dieser Reihenfolge „Hunger“ von Roxanne Gay und „Mythos Schönheit“ von Naomi Wolf. Beide waren und sind auf Ihre Art faszinierend, beide haben im weitesten Sinne dasselbe Thema, nämlich „Schönheit“, bzw. deutlich präziser die Erwartungen der anderen an die Figur des eigenen „Selbst“. Und daraus folgend natürlich, leider, die Erwartungen von mir an mich.
Warum bin ich mit meiner Figur, meinem Gesicht nicht zufrieden? Das heißt noch nicht einmal, dass ich unzufrieden bin mit a, b und c. Ich bin nur nicht zufrieden. Also ein Zustand zwischen Unzufrieden und dem „Ist“. Gibt es diesen Zustand überhaupt, so sprachlich gesehen?

Roxanne Gay erzählt von ihrem Leben als sehr große und sehr dicke, adipöse Frau. Ihre Worte, nicht meine. Und den damit verbundenen Einschränkungen, den Blicken, dem Wahrgenommen werden als „Körper“ und nicht als „Geist“. Hey, die Frau ist echt bekannt, Professorin und trotzdem wird sie, das ‚Selbst‘, das ‚Ich‘, übersehen, weil fast alle nur auf den Körper schauen. „Hunger“ heißt das Buch, sie schreibt darüber, warum sie so viel aß, um einen Hunger zu betäuben, einen Hunger zu befriedigen, der aber gar nicht mit „Essen“ gestillt werden kann. „Dicksein als Schutzschicht“, funktioniert, sehe ich in meiner Verwandtschaft. Abnehmen zu wollen, ohne wirklich abnehmen zu können.

Dieses Buch hat meine Sichtweise auf dicke Menschen verändert, ein wenig, ein Anfang. Das heißt auch nicht, dass jede/r Übergewichtige ein hartes Schicksal hat, manches Mal sind es tatsächlich die Gene oder andere Gründe. Wichtig ist, dass es Außenstehenden nicht zusteht über diese Menschen zu urteilen oder diese zu diskriminieren. Jeder dieser Menschen hat einen zweiten Blick über den Körper hinaus auf die Seele verdient, mindestens einen zweiten Blick! Auch ich habe dies bezüglich an mir zu arbeiten. Leider.

Das andere Buch von Naomi Wolf erschien erstmals 1991 auf Deutsch, ist also schon uralt und tatsächlich nur noch im Antiquarat zu erhalten. Sie hat in diesem über 400 Seiten starken Werk untersucht, wann es anfing, mit der „Schönheit“. Wann fing an, dass Frauen nur noch schön sind, wenn sie schlank und jung sind, also Zeichen des Alters, ein Normalgewicht etc. nicht nur von Männern als „hässlich“ angesehen werden, sondern auch von anderen Frauen. Die Antwort ist relativ einfach, fast schon zu einfach, nämlich als Frauen anfingen sich Rechte zu erstreiten und den Arbeitsmarkt zu erobern. Diese Aussage ist von mir heruntergebrochen, vereinfacht dargestellt, aber deswegen nicht weniger wahr.

Was ist Schönheit und wer definiert diese? Wer profitiert davon, wenn Frauen eingeredet wird sie müssen schön sein, um einen Job zu bekommen oder zu halten? Es ist noch nicht lange her, da mussten Stewardessen zwangsweise mit Erreichen einer bestimmten Altersgrenze zum Bodenpersonal wechseln. Einfach so, von einem Tag auf den anderen hatten sie ihre Attraktivität eingebüßt…
Schönheitsindustrie heißt es nicht umsonst, oh, nein, da steckt jede Menge Geld drin. Veröffentlicht sind die Zahlen bis ungefähr 1987, heute sind diese Zahlen längst überholt und die von 1987 würden als Peanuts gelten.

Was sind Frauen bereit zu tun, um schön zu sein? Brustoperationen, Brustimplantate, Nasenkorrektur, Lifting oder aber auch nur ein Peeling mit ein bisschen Chemie bei der Kosmetikerin? Hungern für die Schönheit, Anorexie und Bulimie, Magersucht. Warum tun Frauen sich das an? Das Buch gibt Antworten, mehr als ich wissen wollte, einige kannte ich schon, andere waren und sind für mich neu. Spannend. Vieles ist heute, 30 Jahre nach der Erstveröffentlichung noch genauso. Frauenzeitschriften werben nach jedem Feiertag mit Abnehmtips wie „Bikinifigur in 7 Tagen“ oder noch schlimmer.

Warum vergleichen sich normale Frauen, solche wie Du und ich, mit Fotomodellen auf Hochglanzjournalen? Jede/r weiß, dass die Fotos retuschiert sind und „Schön sein“ der Job ist, aber wir tun es trotzdem. Weil die Gesellschaft, zu der wir auch gehören, Schönheit als pure Notwendigkeit für Frauen hinstellt. Für Männer gilt da ein ganz anderes Maß!! Männer dürfen im Gegensatz zu Frauen in Würde altern, sichtbare Zeichen des Alters gelten als Zeichen für Weisheit und „rund“ als Zeichen von Wohlstand. Es liegt an uns diese Maßstäbe zunächst zu erkennen und dann entsprechend zu verändern.

Ist das wirklich witzig?