
Veränderung fängt im Kopf an
8. Januar 2023
SDMS
19. Januar 2023Diese Woche ist viel passiert, so etwas richtig „Gutes“ war nicht dabei. Oder ich habe es einfach nicht erkannt.
Ich bin inzwischen seit Wochen erkältet, mal mehr mal weniger. Nicht gut, liegt mir doch immer der mögliche Wechsel von „teildienstfähig“ zu „volldienstunfähig“ im Magen. Die Amtsärztin war da sehr bestimmt. Oder liegt mir die Drohung eher wie ein Mühlstein auf dem Rücken? Kommen daher die Muskelschmerzen im Hals-Nackenbereich? Keine Ahnung, aber nicht toll ist deutlich übertrieben.
Das Leben geht weiter, ja sicher, zum Glück. Für meinen Mann nicht, sein 5. Todestag nähert sich. Trotz aller Befreiung kein Grund zum Feiern, traurig sein über ein verschwendetes Leben darf ich trotzdem? Oder? Ein weitestgehend freundloses Leben ist in meinen Augen vergeudet. Aber das weiß ich erst, seitdem ich ein besseres, fröhlicheres kenne, trotz aller Anstrengung, aller Mühen, die Verhaltens- und Lebensänderungen so mit sich bringen.
Die Bamberger Symphoniker musste ich wegen Husten mal wieder ausfallen lassen, eine ehemalige Arbeitskollegin hat sich sehr gefreut, geht doch.
Tristesse – Trostlosigkeit, d.h. ohne Trost. Nein, so ist es dann doch nicht. Trost habe ich erhalten, als ich erzählte, dass der Krebsvorsorgetest vom Frauenarzt doppelt positiv ist. Ich solle mir keine Sorgen machen, schreibt der Begleittext, bei 85 % sei nach einer Zusatzuntersuchung alles in Ordnung. Toll, aber nur, wenn ich zu den 85 % gehöre. Meine Schwester hatte in jungen Jahren Eierstockkrebs, meine Tante ist noch an Brustkrebs gestorben, hm. Wie sind da meine Aussichten? Gut, Früherkennung. Aber wann bekomme ich einen Termin? Was ist bis dahin, bis das Ergebnis vorliegt? Was macht diese vorläufige Diagnose mit mir? Ich bin eh schon nicht gut drauf, Tristesse ist bei mir eingezogen und breitet sich zunehmend aus.
Kopf in den Sand stecken hilft nicht, also sich um das kümmern, was eh schon lang Mal wieder angefasst werden sollte: Generalvollmacht, Patientenverfügung und Testament. Alle drei sind auf einem Stand vor dem Tod meines Mannes, die Verhältnisse haben sich geändert, mein Kind ist nicht nur über 18, sondern tatsächlich erwachsen.
Wir hatten im Zusammenhang mit meinem geplanten Kubaurlaub schon vor kurzem drüber gesprochen, als Option, für den Fall was wäre, wenn mir etwas passiert. Ja, was wäre dann? Die Zahlungen laufen weiter, mein Kind hat bisher keine Kontovollmacht, abwarten bis der Erbschein kommt kann dauern. Und in der Zwischenzeit? Keine Verfügungen treffen können und dürfen? Irgendwie doof. Also habe ich vorhin die alten Unterlagen rausgesucht und werde versuchen zeitnah Termine beim Notar zu bekommen. Die Patientenverfügung, gut, die geht vielleicht noch, aber die ist aus 2009, vielleicht gibt es inzwischen rechtssichere Formulierungen? Testament, hm, Vermächtnis für alle Nichten und Neffen, muss das heute noch sein? Ein Teil hat schon einen Beruf, mit einigen habe ich keinen Kontakt mehr, wird Zeit, dass die Summen und Empfänger angepasst werden! Braucht es die Vorerben-/Nacherbeneregelung noch? Hatte ich damals ja nur gemacht, damit die Familie meines Mannes bei ungünstiger Todeszeitfeststellung keinen Cent bekommt. Wichtig: Dem Arzt ist es gleich, wen er zuerst für tot erklärt, der Erbreihenfolge nicht! Denkt mal in Ruhe drüber nach, ob im „worst case“ das Geld wirklich dahin geht, wo es hinsoll. Oder eben auch gerade nicht! Und wenn dem Erblasser, der Erblasserin alles egal ist, spart es zumindest die Kosten für den Notar. Ich ziehe ein beglaubigtes Testament einem handschriftlichen vor. Verwahrung beim Amtsgericht, kein Verschwinden möglich. Ihr wisst doch: Beim Erben zeigt sich der Charakter. Oder lernt Mensch die Verwandtschaft kennen. Ich persönlich habe es nicht so mit der zweiten Wange hinhalten.
Was für ein Thema an einem regnerischen Abend, kein Wunder das die Traurigkeit nicht gehen will. Dabei haben mir die Reaktionen meiner Freunde und Freundinnen überzeugend gezeigt, dass es Grund zur Freude gibt.
Der Tag neigt sich dem Ende zu, Zeit für ein überzeugtes „Goodbye Tristesse“.




