„Weiße Hexe“

Die Einladung

28. August 2022

Buch ohne

6. September 2022

Die Einladung

28. August 2022

Buch ohne

6. September 2022

Ein Erlebnis der besonderen Art

Neu in Bamberg, naja, inzwischen nicht mehr, das Neueröffnungsschild ist ab. Täglich komme ich zweimal an dem Laden vorbei, er sieht sehr einladend aus. Scheint immer zu sagen „Betritt mich! Komm rein!“ Anheimelnd auch vor dem Laden der Tisch mit den zwei Stühlen und den Getränken „for free“.

Ich bin und war neugierig, schaute mehrfach ins Fenster und sah irgendwann das Schild „Karten legen“. Karten legen, an so etwas glaube ich nicht. Oder doch? Muss ich daran glauben, um es auszuprobieren? Nein, muss ich nicht. Ich folge oft meiner Neugierde, einfach nur so, und schaue, was sich ergibt. Hier ergab sich wochenlang nichts, nicht wirklich wenigstens, denn ich ging meistens einfach vorbei. Doch eines Tages sah ich die Tafel, auf der Botschaften genau für mich zu stehen schienen, etwas mit Auswirkung des Mondes auf die Sonne und die Energie und sowieso. Interessant, ich blieb öfter stehen und las. Und so vor zwei Wochen stand da als Quintessenz: Zögere nicht länger und handel. Das tat ich dann auch und trat ein. Die Inhaberin erschien, eine „weiße Hexe“ hatte ich mir anders vorgestellt, spannend. Wie stellte ich mir eine „Kräuterfrau“ denn 2022 vor? Jedenfalls nicht so. Ich brachte mein Anliegen vor, bevor ich es mir anders überlegte. Kartenlegen, einen Termin bitte, natürlich in ganzen Sätzen. „Heute geht es leider nicht.“ War mir klar, wir machten einen Termin für später aus, ich kam pünktlich letzte Woche dort an.

Eine Stunde hatte ich gebucht, wenn schon, denn schon. Ich solle es mir bequem machen, sie käme gleich. Bequem auf der Couch, hm, geht nicht wirklich. Aber gut, sitzen, so, dass es am wenigsten unbequem ist, ist doch auch schon was. Sie fragte, ob sie mit „Energiearbeit“ anfangen könne. Ich sagte ja, hatte ja eh keine Ahnung, was passieren sollte.

Ja, was ich dann in der folgenden Stunde erlebte, ist für mich schwer zu beschreiben, außer mit hunderten von Buchstaben, das muss aber nicht sein, Langeweile gibt es woanders.
Also die Kurzfassung: Manches Mal fühlte ich mich wie in einem schlechten Film, meinte eine Theateraufführung zu erleben mit einer einzigen Zuschauerin, nämlich mir. Da fühlte ich mich unwohl und kam mir lächerlich vor. Manche Aussagen trafen ins Schwarze, z.B. „Sie haben Probleme mit dem Sehen und Hören!“ Brille, ja klar, aber Tinnitus ist unsichtbar. Und auch die empfangenen Signale, die angeblich sagten „Genug ist genug! Und ich will nicht mehr“ Durchaus zutreffend, aber ich denke, dass diese Sprüche auf die Hälfte der Bevölkerung zutreffen. Schlechte Energie, die mir im Nacken sitzt, sprich mein toter Mann. Möglich, denn „Energie geht ja nicht verloren!“ Und nur weil jemand tot ist, ist die Energie nicht weg. Bizarr. Interessant. Ansprechend, trotz allem Unglauben. Und in meinem Körper passierte auch etwas, ganz deutlich zu spüren, die Augen hatte ich inzwischen geschlossen, pure Energie schien zu fließen und später meinen Körper tatsächlich zu verlassen. Placeboeffekt? Ich glaube nicht. Rätselhaft. Lasse ich einfach so stehen. Unglaublich, weil ich eine Beschreibung dieser Stunde tatsächlich vorher nicht geglaubt hätte.

Dann waren wir für dieses Mal durch und besprachen kurz das Erlebte, das heißt ich hörte zu, sie sprach. Als erstes empfahl sie mir meine Wohnung mit Salbei auszuräuchern, deutlich schlechte Energie. Mietwohnung, mein Mann war nie dort gewesen. Aber weiß ich, was mit den Vormietern war? Ich dachte sie verkauft mir im Anschluss den zum Räuchern benötigten Salbei, nein. Zu meiner Überraschung erklärte sie mir, wo ich diesen pflücken könne, kostenfrei. Guten, weißen. Im Hain, beim Botanischen Garten, Beet vorne rechts. Anschließend riet sie mir eine Thai-Massage sehr zeitnah zu buchen, die würden über die Meridiane massieren, das würde den Körper entgiften, energetisch hätte sie erstmal getan, was ginge. Sie empfahl mir dann auch gleich ein Massagestudio. Und sagte zum Abschied, das Ganze könne Nachwirkungen haben und mir können in der nächsten Zeit ungewöhnliche Dinge passieren. Sie sei für mich da, ich solle vorbeizukommen oder sie anzurufen, egal wann, wenn mir etwas komisch vorkäme. Das gefiel mir sehr gut. Die Vorsorge mit der Nachsorge. Aufmerksam! Hatte ich so nicht erwartet.

Nachts konnte ich tatsächlich nicht schlafen, mir ging zu viel durch den Kopf. Der nächste Tag war körperlich gesehen echt grausam, ich ging beim Laden nicht nur vorbei, sondern hinein. Sie schien sich tatsächlich zu freuen mich zu sehen, machte etwas „Energiearbeit“ und wünschte mir gute Besserung!

Der darauf folgende Tag war dann ein perfekter Tag! Das empfnd ich zumindest so. Zu schade fürs Büro. Also nahm ich einen Tag Urlaub und machte mich nach einem späten Frühstück mit dem Fahrrad auf in den Hain. Schere und Plastiktüte dabei. Bald fand ich auch das Salbeibeet. Keine Fußgänger in Sicht, schnipp-schnapp und schon waren ein paar Salbeistängel ab 😉
Ich fühlte mich, als ob ich etwas Verbotenes tat, trotz oder gerade deswegen ein tolles Gefühl. Die Sonne schien, mir ging es gut, ich nahm den längeren Weg nach Hause, einschließlich Fährfahrt, das Leben kann so schön sein.

Der Salbei wurde bis heute getrocknet und dann kam der schwierige Teil, das Räuchern. Anleitung aus dem Internet heruntergeladen, einen guten Topf genommen, schlechte habe ich nicht mehr, und angezündet, auf dem Balkon, das Kraut. Brannte gut. Und dann rein in die Wohnung, mit einem Fächer gewedelt und => Rauchmelder ging los. Hätte ich mir ja denken können, wenn ich gedacht hätte! Als ich die Leiter geholt hatte, war er endlich still, gut so. Jetzt riecht es sehr angenehm in der Wohnung, ein paar Stängel habe ich noch, vielleicht hebe ich die auf. Wer weiß, wann die nächste schlechte Energie kommt und bleibt.

Nach der Arbeit heute war ich bei der Thai-Massage, auch ein Erlebnis. Die erste Thai-Massage meines Lebens, aber bestimmt nicht die letzte. Trotz der leichten Schmerzen ab und zu empfand ich die 90 Minuten als sehr angenehm. Und bei dem Preis komme ich sicher wieder. Auch wenn mich sofort nach dem Bezahlen die Frage überfiel: „Und davon wollen die noch Steuern bezahlen?!“ Wahrscheinlich eher nicht, ich war nicht mehr im Dienst, Gedanke erfolgreich abgeschaltet.

So, jetzt sitze ich am Laptop, Rücken schmerzt doch etwas und fasse zusammen: Keine Karten gelegt bekommen, weil die Stunde mit Energiearbeit ausgefüllt war, aber trotzdem oder gerade aus dem Besuch bei der „Weißen Hexe“ neue Erfahrungen mitgenommen. Nur nicht die Kräuter, die sinngemäß überschrieben waren:  Zum Entgiften Deiner Yoni für glücklicheren Sex. Da muss ich nach dem Betriebsurlaub unbedingt noch einmal hin, ganz sicher 😊