
Buch ohne
6. September 2022
Nein, danke
13. September 2022Und kein bisschen w/leise 😉
So, nun ist sie vorbei, die Woche mit meinen Geburtstagsfeiern und ich nutze den Rest des Sonntagsnachmittags für eine kurze Rückbesinnung. Nein, nicht auf die letzten 60 Jahre, das würde den Rahmen hier sprengen, sondern nur so ca. eine Woche zurück. Sechzig Lebensjahre, das ist etwas, und diese wollten bei mir gefeiert werden, unbedingt und absolut.
Bevor es allerdings dazu kam, musste ich noch etwas erledigen, etwas tun. Auf meinem ehemaligen Grundstück lagerten noch schwere, lange Aluminiumrohre, die unbedingt bis Ende September geräumt werden mussten, sonst wären diese meinem Käufer zugefallen. Mein Kind wollte das nicht, aus Prinzip und wegen des Wertes. Und ich? Ich auch irgendwie nicht, auch wenn ich den dazu gehörigen Arbeitseinsatz scheute wie sprichwörtlich der Teufel das Weihwasser. Aber mein Kind ließ keine Ruhe, hatte sich auch schon Hilfsmittel zum Abtransport, immerhin musste ein Hügel mit ca. 17, 859 % Steigung bezwungen werden, ausgedacht, die notwendigen Sachen eingekauft und ich, ich wollte nicht kneifen. Ich wollte es aber unbedingt vor meinem Geburtstag erledigen, alles in mir drängte mich die Fäden, die mich noch mit der Vergangenheit in Unterfranken verbanden, so weit und so schnell wie möglich zu kappen.
Wir begannen Freitag an späteren Nachmittag, Samstag ging von 8.30 bis, ja, tatsächlich 23.34 Uhr und Sonntag nicht mehr ganz so lang. Und dann, ja, dann war es geschafft. Mit dem Abladen des letzten schweren Alurohrs auf dem neuen Grundstück meines Kindes war ich frei. Spürbar frei! Und mein alter Körper hatte durchgehalten, die ganze Zeit über. Was für ein Wunder, denn machen wir uns nichts vor, das Bewegen von ca. 2,2 t Altmetall in Form von langen, unhandlichen Rohren, jedes mindestens 50 kg schwer, manche mindestens 20 kg schwerer, kann auch jüngere Körper an die Grenzen und darüber hinausbringen. Aber meiner hielt! Lieber Körper, ich danke Dir! Keine Wehwehchen außer ein wenig mehr Muskelkater als üblich und viele entzündete Insektenstiche. Wenn das alles ist? Dann war das Nichts.
Montag diente der Erholung und Dienstag war der große Tag, der Tag der „Null“. Ich freute mich sehr auf diesen Tag. Morgens Plausch mit allen Kollegen und Kolleginnen aus dem Sachgebiet, die anwesend waren, lange, ausgiebig, einfach nur normal und schön, in Zeiten, die eben nicht mehr so ganz normal sind.
Mittagessen mit den Kolleginnen, die immer ein „Auge“ auf mich haben, die aufpassen, dass ich mir nicht zu viel zumute, die immer für mich und meine Geschichten da sind. Was für ein Genuss, diese gesellige Runde.
Abends Essen mit einem Freund, an dem, „m“ arbeite ich noch 😉Das Restaurant gefiel mir, das Essen war sehr schmackhaft, die Unterhaltung kurzweilig, okay, ich bestritt den Löwinnenanteil, aber ja, mir ging es gut! Wenn der Beginn des sechsten Lebensjahrzehnts so ist, dann bitte mehr!
Samstag Feier mit den Verwandten aus Regensburg, auch schon sehr lange nicht mehr gesehen, und anderen Freunden, Menschen, mit denen ich angenehme Stunden verbringen wollte. Und das habe ich. 60. Geburtstag feiern hat ja wie jeder „runde“ Geburtstag so etwas von „Erpressung“, da kommen die, die sonst vielleicht so bei einem normalen Geburtstag nicht kommen würden. Aber bei mir stimmt das nicht, da bin ich mir, während ich diese Buchstaben tippe, ganz sicher! Es sind Freunde. PUNKT.
Ich bin großzügig, wenn es ums Spenden geht, aber zum Geburtstag liebe ich es Geschenke auszupacken, nichts da mit andere glücklich machen, weil der Beschenkte eh schon alles hat. Sprich Geldspenden bitte für Organisation X auf Konto Y. Und ich bekam so viele, so schöne Geschenke. So viele Blumensträuße wie vorher noch nie an einem Tag! Doch, 60 Lebensjahre zu feiern, kann Spaß machen.
Aber ich kann auch die andere Seite verstehen, das Kollegx. Das Kollegx, welches mir im Vertrauen mitteilte, das die magische 60 für es ein Graus gewesen sei. Und das kann ein 60. Geburtstag ja tatsächlich sein, machen wir uns da nichts vor. Die Zäsur, dass wir jetzt, jetzt endgültig, die Hälfte unseres Lebens hinter uns haben und vor uns nur noch ein paar gute Jahre liegen können.
Wobei die Frage ist, was sind ein paar gute Jahre? Bei meiner Familiengeschichte, hm, da sind doch locker noch 25 Jahre oder 300 Monate drin. 300 Monate, das ist doch schon was, aber natürlich nicht so beeindrucken wie 9036 Tage oder so ähnlich. Lustig? Nein! Aber es ist doch nicht entscheidend, wie viel Zeit uns bleibt, sondern was wir daraus machen! Sind wir aktiv, genießen das Leben, tun, was uns Spaß macht, tun das, was wir schon immer tun wollten, sprich leben unser Leben und nicht das von anderen, dann kann auch eine kürzere Zeitspanne bis Gevatter Tod uns abholen kommt durchaus ausreichend sein, um von einem erfüllten Leben zu sprechen. Dann brauche ich keine Angst vor Rollator und fehlendem Pflegepersonal zu haben. Beschränke ich mich aber selbst, lebe das vielleicht ungenügend gelebte Leben, welches ich schon immer lebte, dann können 25 Jahre zu einem Schreckgespenst oder zu einer nicht zu bewältigenden Herausforderung werden. Auch ohne zusätzliche körperliche Beschwerden. Was ich damit schreiben will, ist: Es liegt an uns selbst, was wir mit und aus unserem Leben machen. Und dann, wenn wir ein selbstbestimmtes Leben führen, kann auch eine kürzere Zeitspanne als 9036 Tage durchaus ausreichend zu sein, um in Frieden mit sich selbst den Geist abzugeben und den Körper zu verlassen.
Ich bin seit 4 Jahren, 7 Monaten und 7 Tagen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Der Weg ist manches Mal steinig, hart, ausgetrocknet, eng, dornig, ich komme kaum durch. Und an anderen Stellen ist der Weg schattig, kühl, grün, sehr leicht zu gehen, ich fühle mich wohl und frage mich, warum ich mich nicht früher auf den Weg machte. Die Antwort ist müßig, denn es ist wie es ist. Der Aufbruch kam spät, ich war beratungsresistent, aber jetzt bin ich unterwegs mit Wegbegleitern, die viele Abschnitte des Weges mit mir gemeinsam gehen. Die schönen, wie meine Geburtstagsfeiern diese Woche, allen sei Dank, und die trockenen, steilen Strecken in der Vergangenheit und sicher auch in der Zukunft. Aber das Wissen in Begleitung den Weg gehen zu dürfen, macht mir Mut für die nächsten 10 Jahre, mindestens. Denn ich kann nicht aufhören zu gehen, solange ich nicht am Ziel bin. Das bin ich mir wert!




