
Fortsetzung folgt…!
23. Juni 2022
Gender Empathy Gap ?!
6. Juli 2022Forschungsergebnisse contra gelebte Realität?
Ich bekam den folgenden Link zum Gender-Pay-Gap zugesendet:
"Harte Arbeit“ soll den Gender-Pay-Gap verringern helfen? Wie soll das aussehen? Da springt gleich meine Phantasie an. Rückkehr zur 60 Wochenstunde? Weil Fachkräftemangel? Arbeiten bei 60 Stunden bis zum Umfallen? Kann das gemeint sein? Wie sollen Frauen das schaffen? Frauen, die immer noch mehrheitlich verantwortlich sind für Kindererziehung und Pflege bedürftiger Angehöriger? Frauen, die „Mental load“ leisten? Also Frauen, nix mehr mit karger Freizeit, sondern ab in den „Luxus“ eines Zweitjobs? Oder eines Abendstudiums? Mehr arbeiten für Frauen klingt gut, aber dann sollte auch das Umfeld stimmen mit Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu äußerst moderarten Preisen, Auslagerung der Pflege an externe Dienstleister, ach halt, auch da arbeiten ja wieder hauptsächlich Frauen. Schwer, auch körperlich, denn Umbetten, beim Anziehen helfen, waschen und und und ist körperlich anstrengend. Und diese Personen sollen „härter Arbeiten“? Meinte das der Autor wirklich?
Hm, sollen Männer härter arbeiten, um den Gender-Pay-Gap, also die „Versorgungslücke für Frauen“ zu schließen? Werden Männer dazu bereit sein, wenn es in manchen Beziehungen schon schwierig ist den Mülleimer rauszutragen? Harte Arbeit, sich um die Hausaufgaben der Kinder kümmern, falls vorhanden, damit die Partnerinnen sich fortbilden können? Werden Männer das tun? Können wir überhaupt den Begriff Männer und Frauen so verallgemeinernd einsetzen? Sollten, nein müssen wir hier nicht schon nach Generationen unterscheiden? Wie heißen die alle noch mal? Generation X, Y, Z? Was ich da so an Studien gelesen habe, sind das nicht gerade die, die Arbeit in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen, hm. Also, wie soll “Deutschland muss härter arbeiten“ in Real überhaupt funktionieren?
Ich bin ratlos, aber auch wütend! Einfach so einen Satz hinwerfen, ohne auch nur ansatzweise eine Erklärung anzubieten! Wann ist der Autor geboren? 1981? Liegt da vielleicht schon ein Ansatz für den zwar interessanten, mich aber am Ende unbefriedigt und enttäuscht zurücklassenden Artikel? Hätte er härter gearbeitet, intensiver recherchiert, Quellen genannt und Lösungen angedacht, dann wäre für mich vielleicht etwas Rundes daraus geworden. Aber so? So zu tun, als hätten viele von uns eine Freizeit orientierte Schonhaltung und wären nicht bereit die Schlagzahl zu erhöhen, ich halte die für mich erkennbare Intension des Textes einfach für falsch. Wie viele Berufsgruppen haben seit Beginn der Pandemie die Schlagzahl erhöht, wie viele Beschäftigte arbeiten nicht nur in Krankenhäusern bis an die Grenze und auch deutlich darüber hinaus? Und, hat sich deswegen in den letzten zwei Jahren der Gender-Pay-Gay auch nur entscheidend verändert? Ich habe darüber nichts gelesen, vielleicht habe ich an der falschen Stelle gesucht, aber…
Mich erinnert dieser Artikel sehr stark an das 2015 erschienene Buch „Lean In“ von Sheryl Sandberg, die ganz vereinfacht geschrieben, und klar, sehr weit runtergebrochen sagt: Alle Frauen können es schaffen, sie müssten nur hart genug arbeiten.
Auch ich las das Buch, die „Bibel“ derer, die nach oben kommen wollen mit Begeisterung, aber halt, da war doch noch was? Ich bin nicht Sheryl Sandberg, COO von Facebook, ich hatte keine Kindermädchen, keine Putzfrau, keinen Mann, der soooo selbstverständlich einen Teil der Kinderbetreuung übernimmt, kein Elternhaus mit der Ausgangsbasis zum Erfolg. Ich habe in meinem Berufsleben sehr hart gearbeitet, immer mehr als die geforderten 100 %, weil, der Maßstab ist ja immer noch der Mann. Berufliche Anforderungen werden am Standard „Mann, weiß“, gemessen, nicht an dem von Frauen. Ich bin in einer Behörde gelandet, hm, okay, freie Entscheidung, klar. Wurde mir nicht damals, anno dazumal, 1983, um genau zu sein, bei der Einstellung erzählt, alle bekämen hier dasselbe Gehalt? Ja, schon, aber: Da ist es wieder, das „Aber“! Es dauerte damals und auch heute für Frauen sehr viel länger als für Männer, bis sie befördert werden können, denn es gibt ja nur ein bestimmtes Kontingent an Beförderungsstellen. Also, es gibt nur eine gewisse Anzahl höherwertiger Dienstposten, haushaltstechnisch begründet, hat mit der Bestenauslese nach Art. 33 (2) GG wenig zu tun. Aber ich schweife ab. Die Beurteilungskriterien sind auf Männer zugeschnitten, die Beurteilenden sind immer noch überwiegend Männer (Wie ist das mit gleich und gleich gesellt sich gern?) und dann soll „härteres Arbeiten“ den Gender-Pay-Gap verringern? Das erschließt sich mir einfach nicht!
Wie sagte mal ein Vorsteher, ja, damals, um die Jahrtausendwende hießen die Amtsleiter tatsächlich noch Vorsteher, ich muss bei dem Wort immer an Hunde denken, „Frau Kurz-Richter, wenn Sie mehr arbeiten würden, würden Sie besser beurteilt werden!“ Dieser Satz brannte sich in meine Seele ein, obwohl ich ihn für einen sehr, sehr schlechten Scherz hielt. Denn ich erzog nebenbei ein Kind, Haushalt, Garten, Papierkram, die Liste ließe sich noch lang fortsetzten. Mehr Arbeiten, gut, vielleicht nicht dasselbe wie „härter Arbeiten“, aber schon ganz nahe dran. Ich erzählte das dann im Amt herum, so wie ich bin, und es stellte sich raus, dass dieser Satz bei dem Typen Standard war. Jede teilzeitarbeitende Frau bekam diesen Satz zu hören, egal wie viele, nein, tatsächlich eher wenige, Punkte am Ende auf der Beurteilung standen! Ein klarer Fall von Diskriminierung, aber bedauerlicher Weise fanden sich nicht genug Frauen, die bereit waren gemeinsam gegen diese Herabsetzung unserer geleisteten Arbeit vorzugehen. Aber der einen Kollegin, die mich damals vorbehaltlos, ob der dahintersteckenden Ungerechtigkeit unterstützte, gilt heute noch mein Dank! Schade, dass wir uns nicht getraut haben…
Vielleicht wäre heute der Gender-Pay- Gap schon kleiner, wer weiß?




