
Waldbaden
23. Juni 2024
Abschied
25. Juni 2024Manchmal werden Wünsche wahr
Mein Bekannter wird nicht müde mir jeden Tag einen „schönen Tag“ zu wünschen. Nur selten erfüllt sich dieser Wunsch so wie gestern.
Eine Kollegin brachte schmackhaften Kuchen mit, Tag schon fast gerettet. Die Arbeit ging locker von der Hand, obwohl sie sich anfangs wie ein Mount Everest vor mir auftürmte.
Und als ich gerade gehen wollte, ein Anruf mit bekannter, aber nicht mehr zuordbarer Nummer.
Mister X war am Telefon, ein Steuerpflichtiger, den ich einige Jahre „betreut“ hatte, dann aber aus persönlichen Gründen an eine Kollegin weiterreichen musste. Ich arbeite in der Vollstreckung, ich will sehr oft das letzte Geld, nur nochmals zur Erinnerung.
Zurück zu Mister X. Er sagte, dass es Zeit sei ein Versprechen einzulösen. Seins und meins. Er habe gerade einen Anruf von der Bank erhalten, er bekäme endlich ein Darlehen und könne dann seine Steuerschulden komplett tilgen. Und ich habe ihm damals versprochen, dann mit ihm Essen zu gehen, vegetarisch. Das „vegetarisch“ haute mich um, ich hatte bestimmt seit 3 Jahren keinen Kontakt mehr. Aber grundsätzlich konnte ich mich an das Versprechen erinnern.
Denn manchmal passiert es, dass Vollstreckungsschuldner sagen „Und dann treffen wir uns auf einen Kaffee.“ Und ich verspreche es unter der Bedingung der schwarzen Null auf dem Konto. Ich bezahle natürlich meinen Tee selbst, das ist mir wichtig, damit kein Verdacht der Bestechlichkeit aufkommt. Die Zeit ist meine Freizeit, auch klar.
Inzwischen wurde das Versprechen 2 x „eingefordert“.
Mich freut es tatsächlich, wenn jemand, mit dem ich lange Jahre zu tun hatte, sich auf diese Art und Weise von mir verabschiedet. Dass wir beide so die Gelegenheit bekommen, uns als Menschen zu begegnen, ohne trennenden Schreibtisch zwischen uns. Für mich ist es gleichzeitig eine Anerkennung meiner Arbeit, denn die Erinnerung an das Versprechen geht immer vom Gegenüber aus!
Und sehr oft mussten wir auf dem Weg zum Ziel Altes herausreißen, Neues installieren, Steine aus dem Weg räumen. Nie sind diese Wege einfach oder gradlinig. Intensiv. Fordernd für beide. Denn letztendlich muss der Steuerpflichtige sein Verhalten ändern, massiv. Aber wenn am Ende symbolisch eine Blume im Unkraut blüht, freue ich mich über den gemeinsamen Erfolg.
„Weil es den Menschen braucht!“
Dieser Spruch geht mir bei Gelegenheiten wie dieser durch den Kopf. Eine KI hätte niemals die Geduld mit diesem speziellen Steuerpflichtigen aufgebracht, nach Wegen jenseits der Amtsverfügungen gesucht. Ermunterung ausgesprochen, Lob erteilt und alles, was am Ende notwendig war, um dieses Ziel zu erreichen. Eine KI hätte schon vor Jahren strikt die Richtlinien befolgt und das Familienheim versteigert. Wäre damit irgendjemanden wirklich geholfen gewesen? Auch wenn ich mich als Teil der Einnahmeverwaltung nicht als Dienstleisterin ansehe, ist Statistik auch nicht alles.
Und ich blicke heute auf einen schönen gestrigen Tag zurück 🥳




