18. Frauenpolitische Fachtagung

„Ich habe nichts zu verbergen“
17. April 2024
„Tiziano & Yleine“
19. April 2024
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24 Stunden Berlin

Von Montag- bis Dienstagabend in Berlin, Kurztrip zur Frauenpolitischen Fachtagung der DBB Frauen. Thema „Familie, Sorgearbeit, Altersarmut -die Careseite der Medaille“. Ich fuhr voller Erwartungen hin.

Jetzt, nach der Tagung, tritt Ernüchterung ein. Was bleibt von meinem Trip nach Berlin? Kosten, ganz spontane Antwort. Übernachtung und Bahnfahrt zahlte ich selbst, für den Tag gab es Dienstbefreiung. Interessante Einzelgespräche mit anderen Teilnehmerinnen, Impulsvorträge, hm, Grußworte.

Prof. Karl Lauterbach bekennt sich zum Berufsbeamtentum, ist dröge, aber partiell tatsächlich richtig witzig. Alle Anwesenden haben klare Worte gegen Rechts gefunden, zur Wahl aufgerufen und sich gewundert, wie Frauen herself sich für eine tradierte Frauenrolle stark machen können.

Hinter meinen Erwartungen blieben zurück:
Das „Give-away“, da kann ich wirklich nur den Kopf schütteln bei Kosmetiktasche und Klappspiegel.
Die Erwartungshaltung, dass mit der Einführung von Schecks für Haushaltsnähe Dienstleistungen lt. Koalitionsvertrag gleich alles besser wird. Denn wer wird diese Leistungen erbringen? Frauen, deren Kinder in dieser Zeit evtl selbst der Betreuung bedürfen? Da hat mich das Buch „Alle Zeit“ von Teresa Bücker tatsächlich zum Nach- und Umdenken gebracht.
Die Diskussion zur Abfederung ökonomischer Nachteile von Frauen, die Care-Arbeit leisten. Ja, Abschaffung von Ehegatten-Splitting und Mini-Jobs wäre ein erster Schritt.
Aber: Frauen verdienen nicht nur signifikant weniger, sondern bauen auch weniger Vermögen auf, keine Überraschung, oder? Und Frauen erben deutlich weniger als Söhne, obwohl sie 4 x soviel pflegen. Ist das wirklich alles nur Privatsache? Oder geht „Care“ nicht uns alle an?
Frauen gehen bei Scheidungen ohne Ehevertrag meistens leer aus, können aber mangels Kinderbetreuung nur rudimentär arbeiten. Hm. Bekannt, aber ändert sich da was?
Möglichkeiten, die Doppel-/Drei- oder sogar Vierfach-Belastungen von Frauen abzufedern? Fehlanzeige. Ja, zu diesen Punkten hätte ich mir mehr Input gewünscht.

Deutlich wurde auch, dass Care unmöglich eine „Privatsache“ sein kann, wenn eine funktionierende Gesellschaft davon abhängt, dass Frauen Kinder bekommen, sich kümmern, und später die Eltern pflegen oder Enkelkinder betreuen. Oftmals dieselbe Frau. Da ist die Mental Load groß und die Zeit für sich selbst knapp.

Die Politik hat weder Ideen noch klare Vorstellungen, gleiches gilt für Gewerkschaften. Und falls doch, so halten sich alle bedeckt.
Die Lösung könnte darin liegen grundsätzlich die Wochenarbeitzeit zu senken, wie z.B. bei den Lokführern geschehen. 35 Wochenstunden für alle würde bedeuten, dass auch Männer deutlich mehr Zeit haben sich in Care-Arbeit einzubringen! Und die Verringerung müßte dann auch 1:1 für die Beamtinnen, alle anderen sind mitgemeint, umgesetzt werden, bei vollem Lohnausgleich.
Und wie sieht die Realität aus? Ich bin eine der Beamtinnen, die noch mit Lohnverzicht anno dazumal für die 38 Stunden Woche bezahlt haben. Heute beträgt die reguläre Wochenarbeitszeit bei mir wieder 40 Stunden. Und dann gibt es ja auch noch die Bundesbeamtinnen mit 41 Wochenstunden. eine deutliche Reduzierung wäre meines Erachtens ein riesiger Schritt in die richtige Richtung, um Frauen von der Doppel- bis Vierfachbelastung und mehr zu entlasten. Und Reformen im Scheidungs-, Ehe- und Erbrecht, die diesen Namen auch verdienen und für Frauen einen Gewinn bringen! Denn die bestehenden Regelungen stammen aus Zeiten, in denen der Mann der absolute Herrscher über die Familie und das Gesinde war…
Mehr brauche ich, glaube ich, dazu nicht zu schreiben.

Der Reformbedarf ist riesengroß, die Welle der Pflegebedürftigen rollt auf uns als Gesellschaft zu und wegducken scheint unmöglich zu sein. Was also tun? Abwarten bis nach der nächsten Wahl? Schlechte Lösung in meinen Augen. Deshalb sollten wir Frauen uns gut die Parteiprogramme anschauen und überlegen, wen wir bei der Europawahl wählen. Welche Partei ist gut für uns?