Marke

Integration – Feminismus -Patriarchat
7. April 2024
Kalle
12. April 2024
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Wenn ein Pseudonym nicht genug ist

„Du bist mir vielleicht eine Marke“. Diesen Satz bekam ich in meiner Jugend und auch später oft zu hören. Diesen Satz hatte ich dann auch sehr lange „vergessen“, irgendwo im Unterbewusstsein abgespeichert, begraben, und dann auch ignoriert. Denn dieser Satz ist ein eher zweifelhaftes Kompliment, jemand bzw. jefrau ist anders als andere…

Mein Buch gab ich schweren Herzens, aber mit viel Vernunft, unter einem Pseudonym heraus. Freunde und Kind haben und hatten Recht, ein Buch mit autobiographischen Geschichten unter dem eigenen Namen zu veröffentlichen ist im Hinblick auf meinen Beruf und der Tätigkeit, die ich konkret ausübe, unklug.

Das Pseudonym „Ayla Richter“ suchte ich mir mit Bedacht aus. Ich fühle mich damit wohl, es enthält immerhin noch den angeheirateten Nachnamen und einen Buchstaben meines eigenen Vornamens. Ayla ist eine Romanfigur, eine Frau, die unter schwierigsten Umständen ihren Weg geht und niemals aufgibt. Ich finde wir haben viele Gemeinsamkeiten. Sie hinterfragt vieles und ein „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist ihr ein Gräuel und spornt sie eher an als das dieser Satz sie abschreckt.

Und trotzdem fühlte ich mich jedes Mal, sobald ich ein Buch mit „Ayla Richter“ signierte wie eine Hochstaplerin. Wie eine Frau im falschen Film. Mir war, auch das merkte ich ziemlich bald, das Pseudonym nicht genug, ich wollte mehr. Mein Wahlkampfmanager bei der Personalratswahl im Finanzamt 2021 war bzw. ist auch Markenentwickler. Und seit dem Tag, an den er dieses Wort mir gegenüber benutzte, triggerte etwas in mir. War aus dem Schlummer geweckt, bewegte sich und wollte raus. Ende letzten Jahres nahm dann eine Idee langsam Gestalt an: Ich will aus „Ayla Richter“ eine Marke machen PUNKT Erste Recherchen im Internet zeigten mir, dass die Anmeldung der Marke gar nicht teuer ist und wohl relativ schnell gehen soll. Nach meinem Urlaub nahm ich mir aber zur Sicherheit doch einen Anwalt. Gut so, denn die Beantragung der Wortmarke auch für Vorträge hätte ich aus Unkenntnis unterlassen.

Und nun ist es da, mein Baby, meine Marke. „Ayla Richter“ erblickte am 02.04.2024 das Licht der Welt, ich erhielt gestern Kenntnis davon. Wie schön. Die echte „Geburtsurkunde“ wird mir noch mit der Post zugehen, bisher erhielt ich nur eine Eintragungsbestätigung und einen Abdruck.

Und ich merke, es macht etwas mit mir. Ich bin frei meine eigene Marke zu gestalten und somit ist eine Marke mehr als ein Pseudonym, welches per se nur statisch ist. Ich möchte spätestens im Rentenalter Vorträge halten, von meinen Lebenserfahrungen berichten, all das, was ich bisher mit meiner Teildienstfähigkeit nicht kann und darf. Feststellung, keine Klage. Die kluge Frau baut sozusagen vor 😉

Isa Kurz-Richter, so wie ich heute bin, ist ein „Produkt“ von Umwelt, Erziehung, Sozialisation, Genen und und und. „Ayla Richter“ wird das sein, was ICH sie sein lasse. Ich bin die Schöpferin! Vermessen, vielleicht. Aber warum nicht? Wenn ich mich selbst aus welchen Gründen auch immer, nicht so verändern kann, wie ich möchte, ich also mich nicht vollständig von meiner alten Haut lösen kann, „Ayla Richter“ schleppt diese Altlast nicht mit sich rum. Gut, so ganz frei ist das Kind nun nicht, ein Buch hat sie schon an den Hacken hängen, aber das trägt sie doch eher mit Stolz vor der Brust. Denn ich bekam heute im Rahmen eines Buchtauschs ein Buch zugeschickt mit folgender Widmung: Für Ayla, meine „Entwicklungshelferin“ und für Isa, eine Frau mit Witz, Mut und unglaublichem Schreibtalent.

Da rollte dann doch die eine und andere Träne.

Auf die „Entwicklungshelferin“ bin ich besonders stolz, denn zu dem Zeitpunkt, als ich ihr mein Buch schickte, hatte Susanne Zankl („Der Bedun“, kürzlich hier vorgestellt) schon zwei Bücher veröffentlicht und das dritte lag in den Wehen, sprich beim Druck.

Aus „Du bist mir vielleicht eine Marke“ wurde „Ich habe eine Marke!“ Und das fühlt sich wunderbar an!