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Reicht es einen Leserbrief zu schreiben, um auf Rechtspopulismus, einseitige Berichterstattung und Rassismus hinzuweisen und im Fall Roma Maria Mukherjee (Roma) zu helfen? „Natürlich nicht“, ist die einzig mögliche Antwort aus meiner Sicht.
Ändert dieser Leserbrief irgendetwas für die Betroffene, für Roma? Auch hier ist die Antwort ganz einfach und ein spontanes „Jein“. Der Leserbrief verändert nichts an ihrer aktuellen Situation, die Redaktion des Fränkischen Tags nahm diesen Leserbrief nicht zum Anlass ein Interview mit ihr zu führen, sondern duckte sich in meinen Augen einfach nur weg. Finanzielles Kalkül oder Feigheit? Ich habe keine Ahnung, bin allerdings immer noch erstaunt, dass nach wenigen Emails der Leserbrief bis auf die Kürzung eines einzigen Wortes so wie von mir verfasst, gedruckt wurde. Vielleicht sollte ich nicht ganz so hart urteilen?
Aber, dieser Leserbrief zeigte Unterstützung über ein simples „Like“ bei Instagram hinaus. Er erforderte mehr als einen winzigen Fingerdruck auf Daumen hoch oder Herz. Nicht, dass diese Likes unwichtig wären, aber sie sind halt sehr niederschwellig. Und so schnell wie gesetzt auch schon wieder im Nirwana der Daten verschwunden. Roma, ja, wir sind tatsächlich per Du, dankte mir für meinen Einsatz in der für sie soooo schweren Zeit. Für Engagement, welches über einen winzigen Augenblick hinaus geht.
Denn der Leserbrief war nicht das Einzige, was ich tatsächlich unternahm. Ich wollte sie auch, wie wirklich viele andere Menschen, finanziell unterstützen, damit sie die Rechtsanwalts- und Gerichtsgebühren begleichen kann, ohne am Ende des Tages einen Insolvenzantrag stellen zu müssen. Da die von ihr ins Leben gerufene Crowdfunding Kampagne keine Spendenbescheinigungen ausstellen darf, versuchte ich mit Hilfe des Internets einen Verein, der „gegen Rassismus oder gegen rechts“ im Namen trägt, ausfindig zu machen und zu klären, ob eine Art „Durchlaufspende“ möglich wäre.
Bei meinen Recherchen stellte ich fest, dass nur sehr wenige Vereine bedürftige Personen überhaupt direkt unterstützen. Einige Vereine hatten vorbildlich ihre Satzung auf der Webseite veröffentlicht. So konnte ich nachlesen, dass nur Opfern im eigenen Bundesland geholfen oder „nur“ Geld für Fortbildungen und Schulungen gegeben werden darf. Aus Hamburg war keiner dabei, ich fand zumindest keinen.
Am Ende blieben zwei scheinbar passende Vereine übrig. Kontaktaufnahme erbrachte unterschiedliche Ergebnisse. Der „Weiße Ring e.V.“ antwortete umgehend und sagt Hilfe zu, sofern Frau Mukherjee sich an ihn wenden würde. Die Hilfe wurde zwar nicht spezifiziert, kann also auch Beratung etc. umfassen, aber warum nicht? Besser als ein klares „nein“.
Eine ganz andere Erfahrung machte ich bei der „Amadeus-Antonio-Stiftung“. Was für ein Internet-Auftritt! Auch im Bereich der „Unterstiftung“ Cura.
Praktisch allerdings der absolute Flop! Meine Mail wurde, nachdem ich sie an drei verschiedenen Stellen geschickt und zweimal angerufen hatte, nach immerhin drei Wochen beantwortet. Abschlägig, mit dem höchsten Bedauern. Mir wurde angeboten, dass die Stiftung selbst mit Roma Kontakt aufnimmt. Ich fand und finde diese Idee gut, eine allgemeine Kontaktadresse leitete ich weiter.
Zwei Wochen später wurde das Angebot zurückgenommen, eine eigene Kontaktaufnahme sei nicht mit den Statuten vereinbar. Hm, weiß da rechts nicht, was links tut? Sehr merkwürdig, da dieselbe Absenderin. Und ich wurde durchaus beim Austausch der Mails mehrfach darauf hingewiesen, dass Spenden immer und jederzeit willkommen seien. Doch ich frage mich: Wo landen denn diese?
Ich leitete alles an Roma weiter, vielleicht entschließt sie sich ja eins oder vielleicht sogar beide Hilfsangebote anzunehmen.
Denn momentan ist sie nach eigener Aussage dabei unzählige Hater anzuzeigen, die seit Wochen in den verschiedensten sozialen Medien Hass-Kommentare, was für eine beschönigende Bezeichnung für Rassismus, Ableismus und und und über sie und ihren Partner ausschütten. Scheint eine Vollzeitbeschäftigung zu sein.
Dadurch, dass Frau Gruber und Herr Hock, Autoren des Buches „Willkommen im falschen Film“ und der Piper-Verlag vor dem Pressesenat in Hamburg Recht erhielten, scheinen sich viele Menschen berechtigt zu fühlen abwertende Kommentare versenden zu dürfen und müssen.
Alles nur, weil ein Senat entschied, dass es sich bei den übelsten Beleidigungen in dem Buch um „Satire“ handeln würde, also Meinungsfreiheit. Daher wurde eine Frau wie Du und ich, ich gehe von einer weiblichen Leserschaft aus, alle anderen sind mitgemeint, den brauen Wölfen zum Fraß vorgeworfen.
Ich schäme mich in Momenten wie diesen aus dem hohen Norden zu kommen. Denn Hamburg, zwar nicht meine Geburtsstadt, aber doch relativ nah bei, ist einigen vielleicht ja noch für die Schill-Partei bekannt. Und ich schäme mich auch für eine Behörde zu arbeiten, die Gesetze umsetzen soll, die Politiker erlassen haben. Denn im Fall Mukherjee zeigt sich deutlich, dass vor dem Gesetz nicht alle gleich sind, dieselben Rechte und Möglichkeiten haben. Roma musste ihr Begehren, eine weitere Rechtsverfolgung, eine nächst höherer Instanz aufzusuchen, letztendlich mangels Gelds abbrechen.
Das war übrigens der Zeitpunkt, wo ich das Geld, welches ich als „Spende“ einsetzen wollte, in ein „Geschenk“ umwandelte. Hilfe, Unterstützung und Solidarität, sofort und nicht erst übermorgen!
Die Antwort „jein“ beruht auch auf meiner Einstellung Unterstützung in anderer Form neben reinem Geld zu gewähren, denn manchmal hilft eine „virtuelle Umarmung“ fast so gut wie eine echte. Beitrag auf Instagram und hier auf meiner Website. Klar, das Mindeste, was ich tun kann.
Passend zu der Zeit kam mir die Ausschreibung zum „Shero-Award“ der Brigitte-Zeitschrift unter. Ich habe Roma nominiert, ich weiß, dass ein paar andere Follower es mir nachmachten. Ob es reicht? Ich habe da so meine Zweifel, aber es war eine Geste der Unterstützung. Und wir wissen heute nicht, was morgen aus der Mehrfach-Erwähnung von Roma als mögliche Preisträgerin wird.
Und ja, klingt irgendwie nach Selbstbeweihräucherung bis hierher, nach Selbstlob. Aber wer sagt, dass wir uns nicht selbst loben dürfen? Ich kenne die Antwort, unsere Erziehung und unser Umfeld, unsere Sozialisation, denn Mädchen sollen still, bescheiden und am besten unsichtbar sein. Und noch viel mehr.
Bücher vom Piper-Verlag kommen mir nicht mehr ins Haus. Schmerzt den Verlag vielleicht nicht besonders, aber ich fühle mich seit dieser Entscheidung besser. Und ich „dislike“ in höflicher Form auf Instagram Posts, die Neuerscheinungen aus diesem Verlag vorstellen. Wenn mir diese über den Weg laufen. Das macht Mühe, manche „Gegenüber“ haben Verständnis, andere nicht.
Schweigen und ignorieren wäre deutlich einfacher. Aber wo Schweigen hinführen kann, haben wir alle gesehen. Und die Wahlprognosen für den Herbst zeigen diesen Trend, hin zu mehr „rechts“ deutlich auf. Da helfen auch gelegentliche Beteiligungen an Demonstrationen, verschwunden in der Masse, wenig.
Und in einem Land mit AfD Politik will ich nicht leben. Unter Söder allerdings auch nicht mehr! Verbietet das „Gendern“ und gendert doch durch die amtliche Nutzung der maskulinen Form. Tja, eine Schelmin, die Böses dabei denkt. Dieser Exkurs musste sein.
Zurück zu Roma: Sie hat mich von meinen Zweifeln freigesprochen. An manchen Tagen reicht mir das. An anderen zeigt es mir nur, dass die Unterstützung von anderen Menschen halt deutlich dürftiger gewesen sein muss als meine eigene. Vermutlich liegt die Wahrheit in der Mitte und ich sollte nicht so streng mit mir sein – Selbstliebe
Eine Idee habe ich noch, ist auch noch nicht ganz ausgereift, aber wie sage ich immer? Versuch macht klug und ich bin inzwischen eine sehr kluge Frau!
P.S.: Roma hat das Crowdfunding-Ziel noch nicht erreicht, vielleicht kannst Du etwas von der großzügigen Einmalzahlung für April entbehren?
https://www.betterplace.me/hilfe-ich-wurde-opfer-von-hetze-und-rassismus





