
Leserbrief
29. März 2024
Bookoskop
2. April 2024Kurtie: Finden folgenlos?
Kurtie hätte nie gedacht jemals in einer Geschichte vorzukommen. Dazu war sein Leben zu normal verlaufen. Bis zu dem Tag vor Ostern im letzten Jahr.
Als er sich auf die Suche im Garten seiner Eltern nach eventuell, vielleicht, vorzeitig versteckten Ostereiern machte. Er wusste, er hätte es nicht tun sollen. Aber es waren Ferien, seine Eltern hatten keine Zeit, ihm war langweilig, das Wetter war schön, das Handy hatte keinen Empfang, was auch immer ihn damals getrieben haben musste. Er wusste es nicht mehr. Es war ihm auch egal. Diese Zeiten waren vorbei.
Jeden Tag konnte er sich mit einem Blick in den Spiegel davon überzeugen. Er war es und wieder nicht. Alt, dick, nein, gefährlich fett, Speckrollen, die ihn an Croissants erinnerten, überall. Weiße Haare, dabei war er nach Geburtsurkunde doch erst 14! Allein der Schnurrbart. Sein Bauch, und immer, wie zwangshaft, einen Becher mit Met, oder was auch immer es wirklich war, in der Hand. Und der ständige Drang nach Essen. Kein Versteck war vor ihm sicher. Seine Eltern hatten an jeden Vorratsschrank Schlösser angebracht, und trotzdem fand er jedes Mal einen Weg, um Nahrung heranzukommen.
Er gefiel sich gar nicht. Krank sah er aus. Dabei sagten alle anderen immer, wenn er fragte „Gut schauste aus!“ Er konnte sich den Widerspruch nicht erklären.
Vieles war unverständlich, was sich ereignet hatte, nachdem er doch damals tatsächlich ein einziges gold schimmerndes Ei im Garten gefunden hatte. Gold wie der Goldhase von Lund. Natürlich hatte er es hastig ausgepackt, die Folie abgerissen und reingebissen. Und anschließend konnte er sich an nichts mehr erinnern. Und war so, in diesem Körper gefangen, später wieder aufgewacht.
Ein gefundenes Fressen für die Presse.
Kurtie, so liebevoll von den Eltern genannt, ging Essen über alles, süchtig danach
Talent: schnell beim Verschlingen
Makel: wahllos




