
Dienstjubiläum
20. August 2023
„Echolost“ Daniela Gesslein
10. September 2023Wer oder was will ich werden?
Heute bin ich schon den ganzen Tag müde, okay, um diese Uhrzeit, beste Tatort-Zeit, vielleicht auch kein Wunder.
Aber gestern, gestern war ich fast die gesamte Zeit über fit als ich in mein Geburtstagsgeschenk für mich selbst eingepackt wurde. Bildlich gesprochen. In Wahrheit saß ich die meiste Zeit nackt rum und wartete darauf, dass meine Haut langsam, aber sicher mit Farbe überzogen wurde. Ich habe mir selbst ein Ganzkörper-Bodypainting zu meinem bevorstehenden Geburtstag geschenkt. Fündig wurde ich bei Andrea, Kunst-vom-anderen Stern in Nürnberg, nicht so weit weg.
Ganzkörper-Painting bedeutet auch Ganzkörperrasur im Vorfeld. Wie hatte ich das nur die gesamte Zeit über bis kurz vor knapp so erfolgreich vergessen können? War das überhaupt notwendig? Ich bin ja schließlich kein Profi. Ja, aber die Künstlerin schon. Also ran an „Haare und Flaum ab“. Anstrengend, ungewohnt, aber hinterher war ich gefühlte x Kilo leichter und Freitagabend völlig erschöpft. Wenn das Painting schon so anfängt, wie wird es dann weitergehen? Erste Zweifel beschlichen mich, aber kneifen gilt nicht. Nicht, bevor ich nicht zumindest vor Ort war und mir das Ganze wenigstens mal angesehen hatte. Schließlich bin ich von Natur aus neugierig.
Das Aufstehen fiel mir am Samstagmorgen doch recht schwer, obwohl ich laut Wecker nur gut eine Stunde zu früh wach gewesen war. Leichtes Frühstück, restliche Sachen für alle Fälle zusammengepackt und los. Mist, Tankstelle hatte noch zu, das würde knapp werden. Aber hin würde ich es allemal schaffen, also rauf auf die Autobahn. Natürlich hatten mein Navi und ich wieder bei der Abfahrt auf die A3 Richtung Regensburg einen Disput. Ich ließ das Navi gewinnen, fuhr gleich darauf von der Autobahn ab und dann immer nur noch geradeaus entspannt auf der Landstraße. Leichter Nebel, es würde ein schöner, sonniger Tag werden. Ganz in der Nähe einen großen Parkplatz gefunden, der wartete einfach so auf mich. Wunderbar. Autos mit Stern bekommen ja laut meinem verstobenen Mann beim Kauf schon sozusagen eine Parkplatzgarantie dazu 😉
Bei der Adresse, die ich mir notiert hatte, öffnete auf mein Klingeln niemand, hm. Aber wozu gibt es Handys? Angerufen und festgestellt, dass ein Kommunikationsproblem vorlag, das Atelier befand sich woanders. Zum Glück in der Nähe, Fußmarsch=Morgensport, okay.
Und dann stand sie vor mir, die Frau, mit der ich eng an eng die Stunden verbringen würde. Sympathisch, kann losgehen. Kurze Vorbesprechung, letzten Flaum vom Rücken entfernt, als singuläre Frau komme ich da einfach nicht hin…
Mit den Füssen/Beinen fing es an, ich wurde geerdet. Grün. Pinselstriche auf meiner Haut, feucht. Normal, soweit Bodypainting denn normal ist. Nach den Unterschenkeln ging es an den Schultern weiter, irgendwann wurden die Linien verbunden, ich fing an zu glitzern und zu glänzen, denn die Künstlerin, Andrea, sparte weder mit Gold noch mit Glittertürkis. Die Zeit verging, Erzählungen aus meinem Leben, Vorlesen aus meinem Buch, Bauch fertig. Indisches Essen bestellt, geliefert, gegessen. Weiter, keine Müdigkeit zeigen, die beige Hautfarbe schwand, ich wurde bunter. Der Spiegel zeigte die Fortschritte. Irgendwann war tatsächlich alles bemalt einschließlich Gesicht. Wenn ich an mir heruntersah, war ich fasziniert von den Farben und Linien, der glatten Haut, meinen runden Bauch (Blähungen vom Essen) zum Glück ohne Gasaustritt 😊
Fotoshootingtime, ich wurde langsam wieder wach, es reichte gerade für einfache Posen vor schwarzem Hintergrund. Obwohl ich mich auf dem Boden bewegte, hielt die Farbe. Beeindruckend. Genauso wie die ersten Fotos, die mir auf dem kleinen Display der Kamera gezeigt wurden. Ich wollte keine Verwandlung in einen Frosch oder eine Fee. Ich wollte kein Verschmelzen mit dem Hintergrund oder Wonder Woman werden, sondern einfach (?) nur glitzern und glänzen, Leidenschaft, Feuer, Liebe, verwurzelt sein, irgendwie göttlich (wohl in letzter Zeit zu viele Heldensagen gelesen) und ich selbst sein. Mich wohlfühlen, erleben, was Körpermalerei sein kann. Neugierde stillen. Ich bin auf das bearbeitete Ergebnis gespannt.
Sehr müde und erschöpft fuhr ich schließlich im Dunkeln nach Hause. Dort angekommen wollte ich nur noch kurz was essen, trinken und den Tag Revue passieren lassen. Aber zu letzterem war ich dann doch nicht mehr fähig, mein Gehirn nur noch gefühlt Brei. Und die Frage, ob ich angemalt schlafen gehe oder nicht, konnte ich plötzlich sehr klar mit einen „Nein“ beantworten. Ich hatte das Gefühl die Haut passte mir so nicht mehr. Die Farbe fühlte sich falsch an, ich mich nicht richtig, was auch immer das in dem Moment heißen mochte. Also unter die Dusche und nach dem Motto „First in, first out“ fing ich mit den Füssen an mich von einem temporären Kunstwerk wieder in Isa zu verwandeln. Mit mehr als einer Spur Bedauern, aber auch mit Erleichterung.
Mein Bett rief und ich folgte, nachdem ich vorsichtshalber noch die allerkleinsten Farbspuren in der weißen Dusche beseitigt hatte. Traumloser Schlaf, immerhin mehr als sieben Stunden am Schluss.
Nachdenken über meine gestrigen Erlebnisse tue ich ein anderes Mal.




