Was Männer kosten

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22. September 2022

Unlearn Patriarchy

25. September 2022

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Mehr als wir denken!

Natürlich musste ich mir dieses Buch kaufen als ich den Titel las. Ja, was kostet uns Frauen und allen anderen Menschen „toxische Männlichkeit“? Natürlich auch die Männer selbst, denn nur sehr wenige schwimmen ja tatsächlich ganz oben und geben im Patriachat die Richtung vor.

Und dann war ich selbstverständlich auch gespannt auf die konkreten Zahlen. Was kostet in Deutschland das „Patriachat“? Der Autor zeichnet in Teil I sehr plakativ die Kosten an verschiedenen Beispielen auf wie Gefängnisaufenthalte > 80 % Männer, Wirtschafskriminalität auch, nicht wirklich überraschend, Verkehrsunfälle. Die bezifferten Kosten sind lt. Herrn von Heesen sehr vorsichtig geschätzt, aber mit 63,5 Mrd € pro Jahr ein erklecklicher Betrag. Zwei Jahre addiert und die Kosten der Bundeswehraufrüstung sind erzielt.

In Teil II werden indirekten Kosten aufgezählt, nicht alle in Heller und Pfenning messbar, wenn an das Leid der Hinterbliebenen gedacht wird bei Suiziden, die auch zu 75 % von Männern verübt werden. Die Kosten durch mangelnde Gesundheitsfürsorge und krankmachende Ernährung, es summiert sich. Der Autor versucht sich auch in Erklärungen, die zutreffen können oder aber auch nicht. Aber bei seinem Background (Drogenhilfe und Männerberater) gehe ich von Expertise aus.

Exkurs: Hier bekam ich auch eine Erklärung für den Selbstmord meines Mannes durch Unterlassen. Selbstmord durch Unterlassen, geht das? Ich denke schon, denn mein Mann wusste um seine Herzprobleme, um seinen Bluthochdruck, um sein Übergewicht, aber er weigerte sich zum Arzt zu gehen, im Beruf kürzer zu treten, über seine permanente Unzufriedenheit und sein Unglücklichsein zu sprechen. Und wenn er es dann aber doch einmal tat, selten, dann kamen halt genau die Aussprüche, die von Heesen in seinem Buch anführt: Angst vor dem Verlust der Rolle des „Haupternährers“ (so gering ist mein Gehalt auch nicht, aber keine Chance). Was sagen die Kollegen? Was mache ich, wenn ich entlassen werde? Nun ja, um all das braucht er sich keine Sorgen mehr machen, tot durch Unterlassen. Oder anders: In der Statistik erfasst als „Herzinfarkt nach Schnee schippen“. Gut für die Rentenkasse, deutlich mehr eingezahlt als jemals als Halbwaisen- und Witwenrente ausgezahlt werden wird, so lange kann ich gar nicht leben. Aber all das ist sekundär.

In Teil III werden dann konkret Vorschläge gemacht, die vielleicht nicht alle umsetzbar sind, aber sie sind da und stehen zur Diskussion. Wenn wir, die Frauen, die Männer und alle „between“ es denn wollen. Ich denke wir „müssen“ es wollen, denn wir als Gesellschaft können es uns auf Dauer gar nicht leisten so viel Geld zu (ver-)schwenden. Denn auch das wird in diesem Buch wunderbar herausgearbeitet: Wenn Männer etwas abgeben, z.B. weniger arbeiten und sich mehr um Haushalt und Kinder kümmern, dann geht es auch dem einzelnen Mann besser. Oder ganz plakativ: Frauenrechte sind Menschenrechte! Klar wurde mir auch bei der Lektüre des Buches, dass politische Entscheidungen notwendig sind, um für eine partielle Verbesserung der Situation von Männern, z.B. durch verbesserte Beratungsangebote, tätig zu werden. Politik wird nun immer noch überwiegend von Männern gemacht, welche Überraschung.
Aber es liegt doch an jede/m selbst, wen wir beim nächsten Mal wählen. Ob und wie wir uns in die Politik einbringen. Es müssen ja nicht immer die großen Taten sein, kleine sind manchmal ein Anfang. Wir müssen nur hingucken und ab und zu nachdenken, ob wir bereit sind „ein weiter so“ zu akzeptieren.

Exkurs: Ich bin Mutter eines Sohnes. Ich habe mich wirklich bemüht keine stereotype Erziehung zu leisten, partiell ist mir das gelungen. Wäscheständer kaufen für einen Jungen? Den ungläubigen Blick im Spielzeugladen vergesse ich bis heute nicht. Brachte mir aber eine langjährige Freundin ein. Nachthemden für Jungen? Leute, versucht mal Nachthemden für Jungs zu kaufen, in Zeiten so gut wie ohne Internet. Pure Verzweiflung. Fast, denn die Verkäuferin im Fachgeschäft kannte mich irgendwann und kaufte ab und zu schon gezielt ein…

Ich habe Zweifel, ob diese geringen Bemühungen reichen dem Patriachat und seiner damit einhergehenden Rollenverteilung etwas entgegenzusetzen. Aber besser als nichts, hoffe ich.
Was ich damit sagen will, ist, dass wir bei der zukünftigen politischen Entwicklung alle Geschlechter im Blick haben müssen. Jungen, Mädchen, und alle dazwischen. Inklusion statt Ausgrenzung und Stereotypen, vollumfänglich. Jetzt! Sofort! Für Kinder und Enkel, für morgen und auch übermorgen.

Denn wir alle wissen doch: Beim Geld hört die Freundschaft auf!