Decke auf dem Kopf ?

Loriot lässt grüßen
2. März 2024
Shero-Award
4. März 2024
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Dienstunfähig

Ich bin seit der Rückkehr aus meinem Australien-Urlaub dienstunfähig, am Anfang war ich sogar nahezu bewegungsunfähig. Denn ich hatte mir ungewollt etwas Besonderes mitgebracht: Eine beidseitige Kniegelenksentzündung. Die konventionelle Behandlung sprach nicht an, seitdem gibt es Cortison und das Gefühl Bäume ausreißen zu können. Und Jeans, die scheinbar jeden Tag enger werden. Moderne Medizin halt. Trotzdem oder gerade muss jeder Schritt genau abgewogen werden, die Balance zwischen „angemessener Bewegung“ und „zu viel“ ist schwierig auszutarieren.

Dazwischen sitze ich zu Hause rum und achte darauf, dass mir die Decke nicht auf den Kopf fällt. Leichter gesagt als getan, denn es sind schon sechs Wochen vorbei und ein Ende ist nur langsam in Sicht.

Gelten feuchte Flecken an den Wänden als Beschäftigungstherapie? Immerhin musste ich mit der Vermieterin Kontakt aufnehmen, die Dachdeckerin in die Wohnung lassen, mich kümmern. Wollte ich doch nicht mehr, dass „kümmern um“. Der Schaden außen am Dach ist inzwischen Geschichte, abführende Wasserrohre waren durch Schmutz verstopft. Und Wasser sucht sich ja bekanntlich seinen Weg…
Wer ist zuständig für die Beseitigung der Wasserflecken an den Wänden in meiner Wohnung? Sind zwar nur klein, aber ich habe vor knapp zwei Jahren viel Geld für das professionelle Streichen bezahlt. Abgewohnt ist noch nix. Vermieterin will sich kümmern und ist der Meinung, wenn die Gebäudeversicherung nicht zahlt, vielleicht meine Hausratversicherung? Das sehe ich deutlich anders. Aber der Zeitaufwand, oh frau!

Meine Steuererklärung ist vorbereitet, ein Wochenprojekt. Mindestens drei Schals sind inzwischen gestrickt, der nächste Winter kann kommen. Ab und zu nehme ich an einer Schreibchallange auf Instagram teil, das Ergebnis steht dann auch hier 😉 Längere Texte sind schwierig. Noch.

Ich lese sehr viel. Bücher, die mir gut gefallen, stelle ich hier vor. Mein SUB (Stapel der ungelesenen Bücher) wird deutlich kleiner, aber nur, weil ich momentan die dicken Bücher rausfische. Und ab und zu gibt es natürlich auch ein neues. Sogar an neue Genre wie Poesie und Fantasy wage ich mich. Klingt irgendwie verzweifelt, ist es zum Teil auch.

Und dann ist da ja noch die erwartete Vorladung zur Amtsärztin wegen der Überprüfung meiner Teildienstfähigkeit. Kam irgendwie zur Unzeit, denn seitdem fühle ich mich richtig krank. Tinnitus so laut wie schon ewig nicht mehr, Schlafstörungen. Hm, macht sich ja eigentlich gut im Krankheitsbogen, aber in „Real“ ist das nichts. Tagsüber müde ist kein Spaß. Atteste für die Amtsärztin besorgen, hm, dabei war ich nur wegen Grippe und Magen-Darm ausgefallen im Jahr 2023. Kann jede/n treffen. Meine Hausärztin weiß nicht, was sie schreiben soll. Der Orthopäde mit der aktuellen „Krankschreibung“ auch irgendwie nicht, hm. Denn der ist fest davon überzeugt, dass demnächst alles wieder gut ist mit meinen Knieen.

Trotzdem bin ich inzwischen zeitweise von Panikattacken nicht weit entfernt. Denn an den letzten Besuch bei der Amtsärztin im Dezember 2022 habe ich nur schlechte Erinnerungen, vermutlich ein dauerhaftes Trauma erlitten. Ohne Übertreibung. Die Frau wollte mir wirklich echt damals weis machen, dass ich ihrer Meinung nach zwangspensioniert gehöre, weil ich unter anderen nicht mehr wusste, wie viele Tage ich in dem Jahr krankheitsbedingt gefehlt hatte. Sie brachte mich damals so weit, dass ich an meinem Verstand zu zweifeln begann, dabei kann ich mich im Normalfall auf den sehr gut verlassen. Eine Woche später stellte sich übrigens heraus, dass ihr die Geschäftsstelle den Krankheitsbogen des Vorjahres zugeschickt hatte. Die Entschuldigung war und ist für die Katz, definitiv!

Grundsätzlich habe ich auch nichts gegen die Überprüfung, nur halt bei der Frau? Denn wie kann jefrau objektiv sein, wenn die dringende Empfehlung im Gutachten war, mich sofort wieder hinzuschicken, wenn ich auch nur wenige Tage fehlen würde? Zu meinem Glück hat die Dienststelle dies trotz meiner Krankheitstage unter dem Jahr ignoriert.

Im Grunde weiß ich, dass mir nicht wirklich etwas passieren kann. Bei einer evtl. Zwangspensionierung gäbe es den Rechtsweg. Ich habe noch ein bißchen Erspartes, müsste nicht mit einer deutlich geringeren Pension im Vergleich zu laufenden Bezügen als einzigem Einkommen auskommen. Aber jahrelanges Arbeiten in Teilzeit fordert einen finanziellen Tribut. Ich müßte umziehen, die tolle Wohnung in der Stadt verlassen. Ja, grundsätzlich ist das ja auch mein Plan, aber doch nicht schon im Jahr 2024! Wo doch Mieterhöhungen vertraglich noch für knapp drei Jahre ausgeschlossen sind.
Ich will nicht schon wieder räumen und ausräumen müssen, mich trennen von A, B, und C, das habe ich die letzten sechs Jahre genug getan! Ich will einfach mal ausspannen und das Leben genießen, ohne Wenn und Aber! Frei sein, soweit das geht. Und dann kommt eben doch die Panik. Sitzt im Magen. Macht krank. Ziel erreicht?

Denn mir geht es psychisch inzwischen deutlich besser, seitdem ich die letzte große Last, mein Mietshaus, verkaufte. Und den geringen Erlös in einen lang ersehnten Urlaub investierte, so lange ersehnt, dass dieser Wunsch ganz unter anderen Wünschen begraben war.
ABER: Er buddelte sich aus, der Wunsch einmal nach Australien zu reisen. Zu den Koalas und Kängurus. In schweren Stunden, und die habe ich momentan tatsächlich, denke ich an die Zufriedenheit zurück, die mich in Australien erfüllte. Dieses Gefühl kannte ich vorher nicht.

Momentan bleibt mir nur Abwarten, Tee trinken, den aufmunternden Worten meiner Freunde und Freundinnen lauschen, Vertrauen in mich selbst haben und das Beste hoffen. Vielleicht ist die Amtsärztin dieses mal ganz nett? In 16 Tagen um diese Uhrzeit weiß ich mehr.