Schlüssel

Alicolo
8. Februar 2024
„Kleine Dinge wie diese“
13. Februar 2024
Alicolo
8. Februar 2024
„Kleine Dinge wie diese“
13. Februar 2024

Abschluß

Schlüssel Schlüsselbein Schlüsselbund Schlüsselbart Schlüsselkind Schlüsselrolle Schlüsselgewalt Schlüsselversteck Schlüsselübergabe Schlüsselkasten

Wegschließen Abschließen Verschließen Zuschließen Aufschließen Schließen

Sehr viele Flüchtlinge nehmen ihre Wohnungsschlüssel mit, obwohl sie wissen, dass sie ihre Wohnung endgültig verlassen.

Mir wurde bei meinem Auszug anno dazumal ein Haustürschlüssel für mein Elternhaus mitgegeben, fast aufgenötigt. „Damit Du immer kommen kannst, wann Du willst!“ Zeiten ändern sich, Eltern ändern sich, Kinder ändern sich. Das einzig Beständige ist der Wandel.

Inzwischen bin ich zumindest von meiner Mutter getrennt, die eine Passage in meinem Buch „Katastrophe mit Nachhall“ unverzeihlich findet. Diese Trennung schmerzte, ohne Zweifel, aber mit nur einer sehr geringen Verzögerung empfand ich ein Gefühl der Befreiung.
Ein Versuch über Vergangenes zu sprechen wurde letztes Jahr abgeblockt, ich habe es versucht, ich hatte in dem Moment mein Bestes gegeben, ich fühle mich frei von Schuld. Auch von Schuldzuweisung. Die Vergangenheit ist wie sie ist, ich kann sie nicht ändern, aber die Sichtweise darauf. Wenn ich es will.

Trennung von Menschen, die einem nicht guttun. Sind damit auch die eigenen Eltern gemeint? Inzwischen kann ich diese Frage klar bejahen. Und leite mit dieser Antwort auch gleich zu meinem Vater über, 91 Jahre alt.

Ist Alter eine Entschuldigung? Wenn wir diese Frage bejahen, wo, bei welchem Alter ziehen wir die Grenze? Wie willkürlich ist diese Grenze? Jugendliche bekommen einen besonderen Schutz, Persönlichkeitsreife und so. Muss und soll so etwas im umgekehrten Fall auch für ältere Menschen gelten?
Das nur am Rande, denn ich bin nicht bereit meinem geistig klaren Vater einen Altersbonus zuzugestehen.

Mein Kind wollte seinen Großvater besuchen. Es hatte wochenlang von nichts anderem geredet. Ich sollte mitkommen, denn die Fahrt ist lang und die Altersstarrheit, unter der mein Vater definitiv leidet, allein für den Enkel schwer zu ertragen. Angemeldet, Zusage erhalten und zwei Tage später bekomme ich von meinem Kind die Nachricht „Besuch abgesagt, Du weißt warum.“ Ich hatte keine Ahnung, keinen blassen Schimmer, schließlich hatten wir erst im August 2023 ein harmonisches Wochenende in meinem Elternhaus verbracht. Allerdings ohne meine Mutter, die wohnt seit Jahrzehnten woanders.

Mühsam bekam ich dann aus meinem Kind heraus, dass meine nicht mehr im Haus lebende Mutter meinem Vater meinen Besuch verboten hatte, solange die „Situation“ ungeklärt ist. Und mein Vater fügte sich. Verzichtete auf den Besuch von Tochter und Enkel. Das tut weh, heute kaum noch, aber vor 14 Tagen? Zurückweisung! Mein Vater will nichts mehr mit mir zu tun haben, ist eine mögliche Deutung. Eine andere ist, er will Frieden mit seiner 65 km entfernt lebenden Frau. Und viele Deutungen dazwischen sind möglich.

Im Gegensatz zu früher tat ich erstmal gar nichts. Nachdenken, sacken lassen, gucken, wo es weh tut. Tut es weh oder ist es „nur“ gekränkter Stolz? Wie gehe ich mit dieser Situation um?

Das Ergebnis lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Ich freue mich über die Loyalität meines Kindes, denn es hätte ja auch ohne mich den Großvater besuchen können.
Ich verzichte auf ein Gespräch mit meinem Vater, denn aus meiner Sicht gibt es zu dieser Entscheidung nichts mehr zu sagen. Feige finde ich es, dass er nicht den Mut hatte mich selbst auszuladen, aber auch da stehe ich inzwischen drüber.

Und dann fiel mir ein, dass ich ja noch die Schlüssel vom Elternhaus habe. Hatte ich in den letzten Jahrzehnten nicht gebraucht, brauche ich jetzt auch nicht mehr. Also weg damit. Nur, wem schicke ich die Schlüssel? Vater oder Mutter? Für diese Entscheidung brauchte ich doch ein paar Tage Zeit und als ich so weit war, stellte ich fest, dass der 88. Geburtstag meiner Mutter vor der Tür steht. Was kann es besseres als Geschenk geben als Freiheit von der ältesten Tochter?

Nein, ich halte nicht die zweite Wange hin. Sondern mache mich vom Acker. Wieder ein Stück Autonomie gewonnen. Leben ist nicht leicht.