Alicolo

„Die Patriarchen“
6. Februar 2024
Schlüssel
9. Februar 2024
„Die Patriarchen“
6. Februar 2024
Schlüssel
9. Februar 2024

Kurzgeschichte

Er merkte wie sich die Röte in ihm ausbreitete. Doch nicht jetzt, hier. Unterwegs. Denn gleichzeitig wurde seine Lampe dunkler, der eh schon beschwerliche Weg unsichtbarer und somit unsicherer unter seinen Füßen.
Er war schwer beladen mit dem letzten Kürbis des Jahres.
Seiner Morgengabe, seinem Geschenk, seinem Beitrag zur Gemeinschaftsverpflegung.

Sein Ziel war das Krankenhaus, dort in der Ferne. Warum war er nur so spät aufgebrochen? Er hatte doch gesehen, dass der Tag in den Abend überging. Aber nein, er musste ja noch mit seinem Freund Chamonix diskutieren, wie der Kürbis am Ziel am besten zuzubereiten sei. Natürlich als Suppe, denn nur so werden viele Mäuler satt.
Aber war der heftige Wortwechsel wirklich nur wegen der Gewürze gewesen? Sie hatten doch außer Salz und Pfeffer eh nicht viel. Ein bisschen Kurkuma, übrig von der letzten Reise. Kreuzkümmel, ebenfalls. Und darüber streiten? Allein bei der Erinnerung wird sein Rot tiefer, die Leuchte in seiner Hand noch dunkler.

Zorn erfüllt ihn. Warum reagierte er heute Abend nur so heftig? Während er Schritt für Schritt dem Ziel näher kommt, überschlagen sich seine Gedanken: Chamonix, Kürbis, Kurkuma. Kürbis, Kreuzkümmel, Suppe. Kürbis. Seiner.

Die Schritte werden zögerlicher, angepasst an die mangelnde Sicht. Nein, er will da nicht hin. „Nein“, schreit alles in ihm, „diesen Kürbis gebe ich nicht her!“ Schwer atmend bleibt Alicolo stehen. Setzt den Kürbis ab, sich dazu und versucht mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Hintergrund: Erziehung im Sinne von „Gib das letzte Hemd“, „Teile Deinen Mantel“
Talent: Selbstlos bis zur Selbstaufgabe
Makel: Farbwechsel zeigt Stimmung an, Erwachen des eigenen ‚Ich‘