Die Dinge.

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Eine Geschichte der Frauen in 100 Objekten von Annabelle Hirsch

Ja, es gibt viele Versionen von „Frauengeschichte“, was für ein Wort, aber diese hier fasziniert mich, und zwar schon ein paar Tage länger.

Geschichte der Frauen anhand von Objekten, das heißt, das Buch enthält Bilder, Fotos, kurze Abhandlungen zu den vorgestellten Exponaten. Schon mal gut für denjenigen, der nicht bei Seite 1 mit dem Buch beginnen will, sondern sich ab und zu einfach nur von einem Foto einladen lässt und die dazugehörigen drei Seiten liest. Wie eine Kurzgeschichte, nein, wie viele, nämlich 100. Sehr ansprechend der Text, Ja, es handelt sich um eine Geschichte der Frauen, von einer Frau erzählt, aber immer, wie ich finde, mit einem Augenzwickern. Etwas frech, aber immer auch ernst genug, wenn es notwendig ist.
Zum Beispiel wenn auf Seite 313 durch einen Klebezettel auf unbekannte Widerstands-kämpferinnen in der Nazizeit hingewiesen wird, die für ihren Widerstand einen hohen Preis bezahlten. Es gab eben nicht nur Graf von Stauffenberg und Sophie Scholl.

Was hat der Wäscheklopfer mit den Frauen zu tun? Welche Chancen boten sich den Frauen, neben der anstrengenden, Kräfte zehrenden Arbeit durch das gemeinsame Waschen an den Waschplätzen? Interessant, wirklich. Einfach ein Perspektivwechsel, eine andere Sichtweise. Schwere Frauenarbeit, die aber auch die Kommunikation untereinander teilweise erst ermöglichte. Denn, und das sollte uns bewusstwerden, Frauen war es Jahrhunderte lang nicht erlaubt „einfach so aus dem Haus“ zu gehen. Zur Kirche klar, aber sonst?

Dazu passt dann die Geschichte des ersten Kaufhaueses, welches in Paris eröffnete, einige Seiten weiter. Welche Freiheiten taten sich da für Frauen auf? Auch in Bezug auf neue Arbeitsmöglichkeiten.

Hat der Staubsauger uns Frauen von der Hausarbeit tatsächlich befreit? Oder war das der Beginn von „Hausarbeit ist nichts wert“? Denn sie ist ja Dank der vielen elektrischen Geräte nicht mehr anstrengend und zeitraubend?

Wer weiß schon, dass es in den USA Pilotinnen gab die Militärflugzeuge flogen? Die ersten Regisseure waren Frauen… Und und und. Oft ist Geschichtswahrnehmung eine Frage des eigenen Blickwinkels. Denn Jahrhunderte lang wurde Geschichte, unsere Geschichte, die der letzten 5.000 Jahre und mehr von Männern erzählt. Und was dabei herauskam, wissen wir Frauen ja inzwischen zu Genüge.

Das Buch ist hinsichtlich der vorgestellten Objekte unglaublich vielseitig, beginnt ca. 30.0000 Jahre vor Christi Geburt (Weihnachten steht vor der Tür, schon wieder) mit einem verheilten Oberschenkelknochen und endet 2017 mit dem Pussy Hat.

Der Einband in rosa ist ein Eye Catcher, dekorativ, ja, aber es ist keine „leichte“ Lektüre, wenn wir uns die Mühe machen, ab und zu an die Menschen hinter den Exponaten zu denken, die Schicksale. Und an uns selbst.

Absolut zum Selbstlesen und Verschenken geeignet, auch für Männer. Denn so, wie wir Frauen Jahrhunderte lang die Welt mit Männeraugen mangels Alternative betrachten mussten, sollten wir heute ab und zu die Männer, die es so als homogene Gruppe ja gar nicht gibt, zwingen unsere Sicht zumindest temporär einzunehmen. Vielleicht gibt es ja doch den einen und anderen „Aha-Effekt“. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.