Frauenversammlung

Gender Empathy Gap ?!

6. Juli 2022

Ohne weiteren Kommentar

14. Juli 2022

Gender Empathy Gap ?!

6. Juli 2022

Ohne weiteren Kommentar

14. Juli 2022

Nur ein Traum?

Frauenversammlung, allein wie das Wort klingt.

Da versammeln sich lauter Frauen und tun was? Tja, das ist die Frage, die manch einen das Fürchten lehrt, andere mit Begeisterung erfüllt und viel zu viele einfach kalt lässt. Frauenversammlung ist ein Instrument der Gleichstellungsbeauftragten nach § 25 (3) BGleiG, um die Bedürfnisse von in Bundesbehörden beschäftigten Frauen zu erfahren. Eine Frauenversammlung kann demnach einmal pro Jahr durchgeführt werden. Im Gleichstellungsgesetz, welches für die weiblichen Bediensteten des Landes Bayern gilt, gibt es diese Möglichkeiten nicht! Sehr bedauerlich! Haben die Frauen in bayerischen Behörden schon die absolute Gleichstellung mit dem herrschenden Geschlecht, den Männern, erreicht? Große Frage, vor allen Dingen, wenn wir nachschauen und sehen, dass die Urfassung aus dem Jahr 1996 stammt. Wer war damals noch Landesvater? Hm. Ja, muss ich dazu mehr schreiben?

Aber ich kehre zurück zu Frauenversammlung. Seit dem ersten Mal, als ich von dieser Möglichkeit erfuhr, vor mehr als einem Jahr, bin ich begeistert und neidisch. Ja, ganz klar zwei Dinge in einem! Begeistert, ob der Möglichkeiten, die sich da für engagierte Frauen und solche, die es werden wollen, bieten. Neidisch, weil mir auf Dauer die Teilnahme an einer verwehrt bleibt, weil => Landesbedienstete.

Aber eine Bekannte arbeitet in einer Bundesbehörde, sonst hätte ich das inspirierende Wort „Frauenversammlung“ vermutlich nie kennengelernt, und ist gewählte Gleichstellungsbeauftragte. Gewählt! Statt ernannt, so wie bei meiner Behörde. Agieren statt reagieren statt unsichtbar sein. Oder wie ist das bei mir im Amt? Mit der Ansprechpartnerin für Gleichstellung, ja, so heißt die offizielle Funktion in meiner Behörde. In der Wahrnehmung ist sie unsichtbar, viele von mir Befragte wissen nicht einmal ihren Namen.

Was macht sie? Nimmt sie an dem Monatsgespräch mit Amtsleiter und Personalrat teil, wie es ihr Recht ist ? Und wie ich als angeblich vertretende Frau auch meine: Ihre verdammte Pflicht sein sollte. Schulterzucken.

Aber zurück zur Frauenversammlung, nicht aufregen, es ist noch früh am Tag, am Tag des Herrn (hey, Sonntag – Tag des Herrn? Wo bleibt der Tag der Frau?!). Also, eine Frauenversammlung wird gegen viel Widerstand, ich verweise da nur auf meine Erfahrungen im Amtsgericht Ansbach im Oktober 2021, durchgesetzt. Zur Erinnerung: Geltendes Recht, verankert im Gesetz, aber anscheinend von Betroffenen selten in Anspruch genommen. Und dann kommt der Tag X und dann, ja, dann kommen gerüchteweise nur Bruchteile der Frauen, die sich angemeldet haben: Ist so etwas zu fassen? Für mich ist so etwas unbegreiflich. Was würde ich für eine Teilnahme an einer Frauenversammlung geben? Für die Möglichkeit mich über Arbeitsbedingungen, Vorgesetzte, Beurteilungssystem, alltägliche sprachliche Diskriminierung in Verfügungen und bei Ansprachen des Amtsleiters u.a. auszutauschen? Einen freien Tag, mindestens, aber andere Frauen sehen das anscheinend anders. Was heißt hier „freier Tag“? Die Teilnahme wäre Dienst und Reisekosten müssten erstattet werden. Also, was kann Frauen hindern daran teilzunehmen?

Ich kann nur spekulieren, aber meine Phantasie ist wie immer grenzenlos: Kann es sein, das ‚just an dem Tag‘ absolut dringende Besprechungen abgehalten werden müssen? Abteilungsleiter also bewusst so interessante Themen auf die Agenda der Besprechung setzen, dass Frauen meinen, ohne ihre Anwesenheit würden sie etwas verpassen, ins Hintertreffen geraten und und und. Blöd. Geisteshaltung „alter weißer Mann“.
Natürlich hat auch nicht jede Frau Interesse an einer Verbesserung der aktuellen Arbeitsbedingungen und ist mit dem zufrieden, was sie hat. Verstehe ich persönlich zwar nicht, allein schon das Wort „zufrieden“ ist ja nichts Halbes und nichts Ganzes, soll aber vorkommen. Ist bei mir im Amt ja nicht anders.
Kann es ein, dass appelliert wurde nicht zu gehen, weil Kollegen/Kolleginnen dann die anfallende Arbeit mit erledigen müßten? Sozusagen moralische Erpressung?
Ein Grund ist sicherlich auch Corona. Obwohl wir wenig bis gar nichts mehr von Corona hören, ist es ja nicht weg! Nichts vom „Sommerloch“, nein, die Bedrohung ist weiterhin da, auch wenn Testen abgeschafft wird. Auch im Amt gibt es keine kostenlosen Tests mehr. Ist krank sein und ggf. andere anstecken wirtschaftlicher? Oder immer Fenster auf und dann mindestens eine Erkältung, weil im Durchzug sitzend? Wie wird das im Winter? Kalt, weil durch den Ukrainekrieg wir Deutschen nur frieren müssen? Und dass, obwohl es ja für viele Frauen im Büro immer schon per se viel zu kalt ist, weil sich die genormten Bürotemperaturen an Männern in Anzügen orientieren? Auch darüber könnten wir auf einer Frauenversammlung reden, wenn es sie denn für die Beschäftigten der bayerischen Finanzämter gäbe.

Alternative Home-Office. Ja, natürlich eine Alternative zum Sitzen im Büro und frieren dort. Aus vielen anderen Gründen auch, nicht nur für Frauen mit Kindern und Angehörigen, die zu pflegen sind, interessant. Home-Office ist tatsächlich auch für den einen und anderen Mann attraktiv, frau glaubt es kaum. Home-Office spart Fahrkosten, sicher, ist gut für die Umwelt, den eigenen Geldbeutel, spart Heizkosten beim Arbeitgeber, halt: Wirklich? Werden bei uns im Finanzamt tatsächlich Heizkosten gespart, wenn viele Beschäftigte im Home-Office sind? Werden dann ganze Flure nicht mehr geheizt werden? Oder die Zimmertemperatur noch mehr an die Außentemperatur angeglichen werden, um Heizöl zu sparen und mit gutem Beispiel voranzugehen? Frieren für die Ukraine? Und für den Staatshaushalt? Was ist mit denen, die nicht ins Home-Office können oder wollen? Kann es sich jede/r leisten im nächsten Winter tagsüber zu Hause voll zu heizen? Wie sieht das bei den niedrigeren Lohngruppen aus?
Fragen über Fragen, hier nur kurz angerissen, ich habe noch mehr, aber keine Frauenversammlung, die mir den Austausch ermöglichen würde. Ich bin dies bezüglich total nackt! Ich habe nichts bis auf ein „Feigenblatt“ eine Ansprechpartnerin für Gleichstellungsfragen und ihren Vertreter (männlich). Ja, bei Beurteilungen kann ich um Beteiligung bitten, es ist im Vorfeld anzukreuzen, ob diese gewünscht wird.

Soll aber laut Verfügung nur!!! für die Kollegen und Kolleginnen gelten, die noch Kinder erziehen oder Angehörige pflegen. Habe ich beides zum Glück nicht, also kein „Arbeitseinsatz“! Total blöd, jetzt werden Frauen in verschiedenen Gruppen gegeneinander ausgespielt. Keine Frauenversammlung => kein Thema.

Frauenversammlung, zurück zum Thema, obwohl, immer noch mitten, wie ich finde. Frauenversammlung, hätte ich gerne, am liebsten schon morgen. Ich wäre auf jeden Fall dabei! Frauenversammlung, da könnten wir doch auch über die Bewertung von Dienstposten sprechen, Home-Office ist zwar wichtig, aber doch nicht alles! Warum sind manche Stellen im Amt angesehener als andere? Hey, wir durchlaufen zwei und drei Jahre lang eine Ausbildung, nur um am Ende evtl. das Gefühl zu haben in die Bewertung oder Vollstreckung abgeschoben zu werden ? Früher gehörte auch die Grundsteuerstelle dazu, aber momentan erfährt die ja eine Aufwertung….

Abgeschoben? Wie sagte eine Kollegin zu mir vor wenigen Tagen: In der Vollstreckung sind ja kaum noch Männer, kein Wunder, hier sind die Abgeschobenen?! Hä? Fühle ich mich in der Vollstreckung abgeschoben? Nein, definitiv nicht! Aber von außen mag das so aussehen. Abgeschoben, bedeutet das bei der nächsten Beurteilung wieder weniger Punkte, allein dadurch, in welcher Stelle ich arbeite? Hm, jede/r weiß, dass es Stellen im Amt gibt, die ein besseres Renommee haben als andere. Wo angeblich immer!! die besten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Amtes sitzen. Doch wer nimmt diese Einteilung vor? Ist diese Einteilung in Stein gemeißelt? Sollten wir mal drüber nachdenken! Könnten wir, wenn wir denn eine Frauenversammlung hätten. Oder eine Personalversammlung, die auch dieses Wort tatsächlich verdient.

Aber ich schweife ab. Vielleicht. Oder bin mitten im Thema! Nämlich bei der Möglichkeit endlich mal gehört zu werden mit meinen Anliegen. Allein und doch nicht allein in der Masse, aber auf jeden Fall ohne Vorgesetzte, die sich vielleicht im Geiste Notizen machen, wer wann was sagt. Bei mir ist dies bezüglich ja schon eh Hopfen und Malz verloren. Aber es sind halt nicht alle so frei, wollen und können noch was werden, hassen es sich zu exponieren, eine Stellung zu beziehen und ggf. auch zu halten. Aber eine Frauenversammlung würde den Rahmen bilden, den Raum geben. Frei zu sein, um auf Probleme hinzuweisen, denn es gibt natürlich viele weitere, sei es Mobbing, nein, dieses Phänomen ist noch nicht verschwunden, auch sexuelle Belästigung kommt immer noch vor, Struktur der Beurteilungskriterien, Umgang mit „Kunden“ oder auch wie gehen, nein sprechen, die mit uns? Mehr als einer nämlich herablassend und beleidigend mit Frauen, mit Gesprächspartnern, die diese, überwiegend Männer, als weiblich einschätzen. Müssen wir Frauen uns das tatsächlich gefallen lassen? Sind das alles Einzelfälle? Auch ich habe mometan mit einem „Kunden“ Kontakt, der definitiv nicht weiß, wo die Grenze zwischen unhöflich und Beleidigung verläuft. Was muss ich mir gefallen lassen? Ab wann greift die Amtsleitung ein? Werden diese „Angriffe“ ich nenne die jetzt extra so, von oben toleriert, weil sie Frauen gelten? Weil wir Frauen uns nicht so anstellen sollen? Weil wir zu empfindlich sind? Sind wir das wirklich? Oder ist die Messlatte nur unterschiedlich hoch? Einen temporären Aussetzer eines Kunden könnte ich ja noch tolerieren, aber ständig und bei jedem Telefonat? Auf einer Frauenversammlung könnte ich darüber sprechen und hören was denn Kolleginnen dazu sagen. In meinem „special fall“ wird übrigens auch die Kollegin regelmäßig beschimpft. Wir machen jetzt jedes Mal einen Aktenvermerk. Aber ohne Gespräch hätte ich am Anfang das Beleidigen noch für einen Einzelfall gehalten und nicht das System dahinter erkannt. Reden hilft.

=> Frauenversammlung. Bestimmt kein Allheilmittel, aber ein Anfang, ganz sicher!