Vb -Verhandlungsbasis

Dschinns

12. Juni 2022

Fortsetzung folgt…!

23. Juni 2022

Dschinns

12. Juni 2022

Fortsetzung folgt…!

23. Juni 2022

Was heißt das im konkreten Einzelfall? Normalerweise gehen wir bei VB – Verhandlungsbasis davon aus, dass der Preis nach unten geht, gehen soll. Also Handeln, wie auf einem Basar angesagt ist, bis beide Seiten zufrieden sind oder aber auch merken, dass sie sich eben nicht auf einen Tiefpreis einigen können.

VB bei Immobilien suggeriert natürlich auch genau dieses Prozedere, aber wie wir, Kind und ich, am Wochenende feststellen mussten, kann VB aber auch eine Preisspirale nach oben im Bewegung setzen. Der Immobilienmarkt ist heiß umkämpft, vernünftige Objekte sind schwer zu finden, Abstriche sind da auf Käuferseite schon mehr als vorprogrammiert. Aber dieses Mal, dieses eine Mal, entsprach das Haus den Mindestanforderungen meines Kindes. Ich hatte ebenfalls nichts dran auszusetzen und der beauftragte Sachverständige konnte nur Gutes sagen…

Der Sachverständige, auch so ein Thema, leider. Wer bezahlt ihn? Rhetorische Frage, klar. Wirklich? Wenn alles gut ist, sind Aussagen zur Qualität der Bausubstanz etc. ja richtig und wichtig, okay, vielleicht nicht in Hörweite der Verkäufer, aber Mängel, offensichtliche, sollten dann auch nicht verschwiegen oder absolut bagatellisiert werden. Zum Glück können wir selbst sehen, was zu sehen ist, und haben auch durchaus Ahnung und Erfahrung, nur evtl. nicht genug.

So standen wir am Ende der Besichtigung im Flur des Hauses und fragten Details ab, beschnupperten uns gegenseitig noch ein bisschen, tasteten uns vor. Sehr schnell war klar, dass der Ausgangspreis von 210.000,00 € nicht zu halten ist. Daher hätte es den Ausspruch des Sachverständigen „Dafür werden Sie das Objekt aber locker los!“ nicht gebraucht. 

Bieterverfahren, hm, das kannte ich, das hatte ich 1994 selbst durchgeführt, auch da, beim Verkauf der ersten eigenen Immobilie, ging der Preis nach oben. Ausgangspreis ähnlich wie heute, nur natürlich DM statt Euro. Sehr knappes Angebot auch damals in der Nähe von Flensburg. Also, zu welchem Preis ging das Grundstück am Ende weg? Natürlich nicht 1:1 übertragbar, aber ein erster Anhaltspunkt.

Gespräch mit dem Sachverständigen vor der Tür, nicht wirklich hilfreich, aber ein weiteres kleines Puzzleteil fand seinen Platz. Nur als er sagte „Vielleicht bietet auch jemand 310.000 €,“ konnten wir uns kaum ein Augenrollen verkneifen…

Bieterverfahren, was können wir außer Geld noch in die Waagschale werfen? Selbst wenn Geld das wichtigste und überzeugendste Kriterium ist? Uns selbst, den Eindruck, den wir machen, aber, Schulterzucken, letztendlich kann es den Verkäufern egal sein, ob wir später mit der Nachbarschaft auskommen oder nicht. Ob unsere Nase passt, ist da auch schon sekundär. Geld ist das Mittel der Wahl! Hilfreich kann daher bei ernsthaften Verhandlungen, der Hinweis auf die Tatsache „Wir brauchen keine Finanzierung“ sein. Denn nichts ist für einen Verkäufer schlimmer, als wenn der ausgesuchte Käufer am Ende nicht zahlen kann und den anderen schon abgesagt wurde.

Egal, erstmal. Wir saßen beim Mac und kalkulierten durch. Was ist dringend zu tun? Was kann warten? Nebenkosten ca.? Kann Kind die monatliche Belastung wirklich stemmen? Wo könnte die Schallgrenze der Verkäufer sein? Was werden die Mitbewerber bieten können? Diese Frage legten wir allerdings schnell zur Seite, denn können und wollen sind zwei verschiedene Dinge. Etwas Gutes hatte das Gesappel vom Sachverständigen nämlich doch gehabt, wir wussten inzwischen, dass zumindest die eine Hälfte der Verkäufer einen enormen Geldbedarf hatte. Wie viel ist uns das Haus wert? Wo ist der Punkt, der nicht überschritten werden sollte, damit uns der Kauf am Ende nicht reut? Ich schreibe nur „versteckte Mängel“ und denke dabei an die gemietete Wohnung. Und, was auch ganz offensichtlich ist: Mein Kind kauft sich Arbeit! Diesen oft wiederholten Satz meiner Freundin habe ich an dem Tag erst so richtig verstanden. Und konnte ihn in Beziehung setzen zu dem von mir verkauften Haus, welches wirklich top in Ordnung gewesen war. Über Geschmack lässt sich streiten, aber es war durchsaniert, kein Reparaturstau. Kein Vergleich zu hier!

So ging es eine Weile hin und her, hier etwas weggenommen, dort etwas angefügt, schriftlich auf einer Serviette, Block lag im Auto. Und dann stand das Angebot. Ausformuliert und per Mail abgeschickt. Warten. Warten. Abends wurde der Eingang unseres „sehr überzeugenden Angebotes“ bestätigt. Was heißt in dem Zusammenhang „überzeugend“? nicht letzter in der Bieterreihenfolge, so viel war klar, aber weit genug vorne? Zu spät, das Angebot wird nicht nachgebessert, wie sieht das denn aus?

Gestern Abend der erlösende Anruf. Es gab am Ende mehrere interessante Angebote, aber unseres überzeugte tatsächlich. Uns wurde der Abschluss einer Kaufvereinbarung zugesandt, kein Problem, die Unterschriften. Aber halt, was steht da? Relevante Grundstücksunterlagen wurden ausgehändigt? Nichts da, bisher nicht. Also, auch wenn es schwerfällt, mitgeteilt, dass wir so einen Satz natürlich erst nach Vorlage der Unterlagen unterschreiben können. Und dann konnte ich es nicht lassen und habe die aus meiner Sicht unbedingt notwendigen Papiere aufgezählt. Und jetzt heißt es erneut: Warten.

Das A und O ist, was sich hier wieder zeigt, wie bei vielen Dingen im Leben, den eigenen Standpunkt zu kennen, herauszuarbeiten, was ich will unbedingt, was ist nicht verhandelbar. Wie hoch ist der Preis, den ich zu zahlen bereit bin, und damit ist nicht immer nur Geld gemeint.
Wir sind eine Käufergesellschaft, da ist es von Bedeutung, dass die interne Kommunikation stimmt, wir im übertragenen Sinn an einem Strang ziehen, damit es innerhalb der Kleingruppe später keine Vorwürfe gibt. Das war nämlich das erste, was wir nach dem Telefonanruf versucht haben festzuschreiben: Kein „Hätten nicht auch 8.000 € weniger gereicht?“ Oder Ähnliches. Oder zu schweigen und unterschreiben, anstatt tatsächlich die Unterlagen anzufordern, weil Schweigen und die Hoffnung ‚es wird schon gut gehen‘ uns am Ende zum Notar bringen? Denn eins ist zumindest mir klar: Wenn dieses Projekt, aus welchen Gründen auch immer, schief gehen sollte, ist auch der Familienfrieden in Gefahr. Und dieser Preis wäre mir zu hoch!