Cool oder uncool?

„Ayla Richter Froschkönigin-Award“ Kategorie Romance
15. Juni 2024
Anton
19. Juni 2024
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15. Juni 2024
Anton
19. Juni 2024

Alles eine Frage des Standpunkts

Dieser Beitrag wäre ohne @momentansicht, die einen Kommentar zum von mir ausgelobten Literaturpreis abgab, so nicht entstanden. Ihr gebührt mein Dank!

Ja, wie cool bin ich denn wirklich? So, wie es die Situation erfordert vielleicht im Hinblick auf meinen Literaturpreis und der damit verbundenen Traumerfüllung. Und all dem anderen, was dazu gehört.

Uncool, wenn es über das Sprechen von bestimmten Dingen geht, gehemmt. Und dabei kann ich fast immer über alles reden.

Ich hatte letzte Woche eine Ausschabung, eine Abrasio wie es lateinisch heißt. Nichts Schlimmes, wenn ich mich an die Erklärungen des Oberarztes erinnere. Ein bisschen Vollnarkose, ein bisschen Schleim entfernen, ein paar Gewebeproben für eine Biopsie entnehmen. „In einer Woche dürfen Sie wieder alles machen.“ Soweit, so gut? Nein. Denn das Wort „Ausschabung“ kommt mir kaum über die Lippen, wenn ich gefragt werde, um was es bei der ambulanten OP ging. Ist alles gut? Klar, den leicht bis dunkelrosa Ausfluss, den ich seitdem habe, erwähne ich genauso wenig wie das gelegentliche Ziehen im Unterleib, richtig: Gebärmutter.

Warum ist das so? Inzwischen weiß ich, dass mir Scham den Mund verschließt. Meine Erziehung mir gebietet über alles „da unten“ zu schweigen. Frauenfluch, unrein. Und viele Worte mehr für einen natürlichen Vorgang. Trotzdem schwierig für mich. Da bin ich dann uncool.

SCHAM. Mir, die ich sonst kein Blatt vor den Mund nehme. Jetzt, wo es auch um meine Genitalien geht (‚kein Sex‘ nach ‚keine Vollbäder‘), werde ich schweigsam, fast stumm. Scham ist mächtig. Aber ich will dieser Scham keine Macht geben! Nie mehr.

Frauen gehen zum Frauenarzt, Männer zum Urologen. Obwohl Gynäkologe, wenn das Wort neben Urologe steht, nichts Abfälliges anhaftet ist das bei „Frauenarzt“ nicht so. Klingt ein wenig wie „Tierarzt“, für eine andere Spezies. Doch wir sind alle Menschen, auch die Personen dazwischen.

Meine Frauenärztin (!!) sagte übrigens bei der Nachuntersuchung, dass ich mich mindestens 3 Wochen schonen müsse, 4 wären noch besser. Das ist dreimal länger als der Arzt (männlich) es kommunizierte. Tja, da fehlten mir dann die Worte aus anderem Grund.