
Ayla Richter Froschkönigin Award
4. Juni 2024
„Ayla Richter Froschkönigin-Award“ Kategorie Romance
15. Juni 2024Falsche Annahme
Ich hatte da am Mittwoch und Donnerstag je einen Termin. Mittwoch bei der Anästhesistin, Vorgespräch für die ambulante OP am Donnerstag. Kurz vor knapp, ich hatte anders keine Zeit. Fragebogen ausfüllen, klar. Aber dieser war so gut wie unlesbar. Als ich nachfragte, hieß es, der ginge nicht besser auszudrucken. Kann passieren, aber wenn ich etwas unterschreiben muss, will ich wissen, was dort steht.
Am Ende kam dann die Frage „Wer betreut Sie die nächsten 24 Stunden nach der Operation?“ Darüber hatte ich mir im Vorfeld gar keine Gedanken gemacht. Ich bin singuläre Frau, Kind und Freundinnen zwar vorhanden, aber nicht vor Ort. Und jetzt? Einen Tag vor dem Termin? Um Diskussionen zu vermeiden, gelogen. „Wer holt Sie ab?“ Meine wahrheitsgemäße Antwort „Taxifahrer“ sorgte für Stirnrunzeln und den Hinweis, dass dieser mich aber oben auf der Station abholen müsse…
Was mich heute immer noch fassungslos macht, ist die Grundidee hinter dem Ganzen: Jede operierte Person hat jemensch, der sich um sie zu Hause kümmert und im Notfall den Notarzt holt. Kostensenkung in der Klinik nennt sich das. Aber was ist mit Menschen wie mir? Lügen beim Ausfüllen? In real unversorgt zu Hause, das Beste hoffend? Was wäre passiert, wenn ich die Wahrheit geschrieben hätte? Isa allein zu Haus? Wäre dann die OP abgesagt worden? Hätte ich für 24 Stunden dort bleiben müssen?
Ich weiß es nicht und wollte es auch nicht herausfinden. Es war schon unangenehm genug, vom Taxifahrer abgeholt werden müssen. Der hat sich sein Trinkgeld dann übrigens ganz clever verdient: Er nahm einen zweiten Gast mit, der in die Nähe musste. Dieser „zahlte“ mit Berechtigungsschein, ich mit echtem Geld. Zur Kostensenkung in der Klinik kam hier die Gewinnmaximierung hinzu.
Mir war es in dem Moment egal, ich wollte nur noch in mein Bett.




