Der Bedun

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Das Leben eines Geflüchteten

„Der Bedun“ von Susanne Zankl. Buchtipp.

Draußen scheint die Sonne, ich sitze in einem Café und warte auf eine trinkbare Temperatur meines Tees.

Tee trinken, kann ich mit diesem Worten tatsächlich meine Gedanken zu diesem Buch beginnen? Abwarten und Tee oder Kaffee trinken, etwas, was Flüchtlingen, Asylbewerbern, Sozialschmarotzern, Gesindel oder wie auch immer die Fremden, die zu uns kommen, genannt werden, nur bleibt, während sie auf ihren positiven Bescheid warten. Das Verfahren scheint in Österreich ähnlich zu sein wie in Deutschland. Wir begleiten in dieser Geschichte Rashid, einen Iraker. Aber halt, genau das ist ja schon falsch, denn in Wirklichkeit ist Rashid ein „Bedun“, ein Staatenloser, der nur die meiste Zeit seines Lebens im Irak lebte.

Ich hatte zwar schon von Flüchtlingen ohne Papiere gehört, aber denen wurde immer unterstellt, dass sie ‚freiwillig‘ ohne Papiere reisen würden. Rashid, die Hauptperson, nicht! Die Autorin arbeitet das wunderbar heraus.

Abgelehnt. Mimi, die österreichische Protagonistin, versteht nicht, warum gerade jemand, der sich bemüht, der arbeiten will, ehrenamtlich tätig ist, die deutsche Sprache spricht, gehen muss. Nach fast vier Jahren. Flüchten muss, weil es für ihn kein Zurück gibt. Ist die Geschichte glaubhaft, die hinter der Flucht steht? Arbeite ich im BAMF? Grundsätzlich glauben wir doch in Deutschland immer, in dubio pro reo, außer natürlich, die Dienstvorschriften sagen etwas anderes…

Das Schicksal von Rashid nimmt mich mit in eine andere Welt, fremd, Männer dominiert, halt ganz anders als das Deutschland, welches ich bis zum Jahr 2015 kannte. Aber ist dieses Leben deswegen falsch? Sind deswegen alle allein stehenden asylsuchenden Männer Verbrecher, sexsüchtig, eine Bedrohung für uns Frauen? Nein, hier wird mit Empathie die „andere“ Seite/Sicht gezeigt.

Auch wenn ich persönlich genau das manchmal schlecht glauben kann, wenn mir eine Gruppe, ursprünglich wollte ich schreiben „Horde“, junger, arabisch sprechender Männer in der Oberen Königsstraße entgegen kommt. Aber, ich kenne aus meiner Teilnahme am „Integrationskurs für Ehrenamtliche“ genau solche Männer als Einzelperson. Dort sind sie, jeder Einzelne, dann ganz sympathisch, von einem schweren Schicksal gezeichnet. Also im wahren Leben, draußen auf der Straße wohl auch. So wie wir. Einzelperson = Einzelschicksal

Alle über einen Kamm scheren, unprofessionell und populistisch.

Und ja, ich habe inzwischen auch Frauen aus Syrien oder dem Machtbereich des IS kennen und schätzen gelernt, nicht nur wegen der Kochkünste. Diese Frauen mussten nach eigenen Angaben z.B. fliehen, weil der Mann für die Amerikaner oder Polizei arbeitete, selbst geflüchtet war und eines Tages ein IS-Kämpfer an die Wohnungstür klopfte. „Ab morgen wohne ich hier, Du bist dann meine Frau!“ Flucht mit kleinen Kindern, ruhig gestellt mit Schlaftabletten, deren Dosierung nicht genau bestimmbar war. Tausende Kilometer zu Fuß.

Susanne Zankl erzählt in dem Buch auch vom Schicksal der zurückgeblieben Frau, die es dann mit den Kindern von Rashid „immerhin“ oder „nur“ bis zu einem Lager in der Türkei schaffte…

Wer von uns kann sich wirklich eine Flucht von hier auf jetzt vorstellen?Würden wir dann immer rational handeln? Was mitnehmen, wenn für die Entscheidung nur Stunden, manchmal weniger bleiben?

Der Ukraine-Krieg zeigt uns doch, dass auch so etwas im Jahr 2024 mitten in Europa passieren kann! Ich bin dankbar für den Buchtipp von @seitenweise_ (Instagram) Nachdenken inklusive.