Unangepasst

Spieleabend – voller Erfolg
17. November 2023
Gebärmutter
22. November 2023
Spieleabend – voller Erfolg
17. November 2023
Gebärmutter
22. November 2023

Neues „Kleid“ für mein Auto

Mein Auto brauchte neue Folie, die alte war nach etwas über vier Jahren verbraucht…

Welche Farbe sollte es sein? Ich hatte die Qual der Qual, ständig kam der Folierer mit einem anderen Farbkatalog. Eins war sofort klar: Keine Neuauflage der alten Farbe, kein rot. Nichts gediegenes. Nichts unauffälliges.

Changierendes Blau war schon besetzt, so sah inzwischen das Auto meines Kindes aus. Was für Farbeffekte heutzutage möglich sind, unglaublich! Der Farbwechsel, der mir am Ende am besten gefiel, ist leider in Deutschland nicht zu gelassen, schade. Noch einmal alles auf Anfang. Und dann erinnerte ich mich an meinen alten Wunsch – ein sonnen gelbes Auto mein Eigen zu nennen. Gedacht, getan und jetzt steht es da: Sonnengelb.

Und wie einer meiner Freunde spontan schrieb: Unangepasst. Ja, da hat er wohl recht. Dieses Auto ist wie ein stolzer Schwan in einer Herde hässlicher Entchen – auffällig. Sichtbar. So wie ich. Also passen wir gut zusammen.

Ja, auch ich bin in den letzten Jahren immer sichtbarer und präsenter geworden. Ich habe mich entfaltet, ich mag inzwischen das „im Rampenlicht stehen“. Denn ich habe eine Botschaft, etwas zu sagen. Und in der Menge wären meine Worte bestenfalls ein Raunen. ICH FORDERE ETWAS: Denn Frauen, die nichts fordern bekommen – nichts!

Und ich bin immer wieder erstaunt, was alles geht, wenn ich mich nur traue darüber zu sprechen, meine Wünsche zu äußern. Sei es der persönliche Text in meiner letzten Beurteilung oder vielleicht, eventuell mein Beitrag in der nächsten Ausgabe von „Blickpunkt Landesamt“.

Aber wer sich exponiert, macht sich angreifbar, ja.
Auch ich bleibe von der einen und anderen „Kriegsverletzung“ nicht verschont. Denn ich begreife mein Aufbegehren gegen das Patriarchat durchaus als Krieg. Guerillakrieg. Krieg der kleinen Nadelstiche.
Und der „Feind“ schlägt zurück, klar, denn sonst würden wir schon längst in Zeiten leben, in denen Menschenrechte für alle keine Utopie mehr sind.
Zeiten, in denen meine eine Freundin in einer sehr großen Firma trotz herausragender Leistungen, Gewinn von zwei Trophäen, die in ihrer Branche einem „Oskar“ entsprechen, nicht wesentlich weniger verdienen würde als deutlich jüngere Männer ohne Auszeichnung!
Oder meiner anderen Freundin nicht gekündigt würde, weil sie sich in ihrer Stellung als Gleichstellungsbeauftragte nur an das hielt, was das Bundesgleichstellungsgesetz an Möglichkeiten vorgab…

Unangepasst: Ja, das bin ich gerne, wenn es bedeutet, lieber einen großen Teil einer möglichen Altersvorsorge für eine Traumreise auszugeben, anstatt auf morgen zu warten. „Lebe hier und jetzt!“ Oft hehre, naja eher leere, Worte. Was ist, wenn morgen nicht kommt? Dann nützen mir weder Goldbarren im Tresor noch eine Zahl mit einigen Nullen auf einem Bankkonto etwas. Aber Erinnerungen und gelebtes Leben wirken über die Sekunde des Tuns hinaus.

Unangepasst. Mit Ecken und Kanten, wo nach herrschender Menge keine sein sollten. Mit Ecken und Kanten bin ich nicht stromlinienförmig, da bleibe ich auch schon mal hängen, bildlich gesprochen, verletze mich oder werde verletzt.

Wenn ich mit meiner Unangepasstheit Erfolg habe, dann ruft das auch unter Umständen Neider auf den Plan. Neid ist eine der sieben Todsünden. Habe ich vor kurzem erst wiederholen dürfen bei der Lektüre des hervorragenden Buches „Ich. Will. Gefallen“ von Elise Loehnen. „Wenn wir glauben, dass Neid Sünde ist, verweigern wir uns unseren Wünschen.“ Zitat.
Nein, ich lebe meine Wünsche, soweit mach- und erkennbar! Das hebt mich von der „Masse“ ab und macht mich zu einem Individuum, dumm. Unangepasst. Ja, und darauf bin ich stolz.
Allerdings ist „Stolz“ eine weitere Todsünde. Aber was soll‘s, die Bibel und Kirche sind von Männern gemacht, Patriarchat. Wäre nicht so tragisch, wenn nicht auch Frauen die Geisteshaltung „weißer alter Mann“ hätten. Und dann ganz eifrig auf Geschlechtsgenossinnen eindreschen, anstatt sich für den Erfolg zu freuen. Freude ist doch eins der wenigen Dinge, die sich verdoppelt, wenn sie geteilt wird! Irgendwie läuft da etwas gewaltig falsch.

Aber bis alles richtig läuft, werde ich zielstrebig meinen Weg weitergehen. Unangepasst, fordernd. Auch schon mal triumphierend, Beispiel gebend, „Rule model“ sein.

Die Sonne auf dem Gipfel des Berges genießen, nicht an den Abstieg denken. Frei sein. Ich selbst sein. Und ab und zu diejenigen bedauern, die es nicht schaffen aus ihren Konventionen auszubrechen, die sozialisierten Glaubenssätze hinter sich zu lassen.

Gönnen können muss auch gelernt werden🤷🥳