
Spurwechsel
22. Oktober 2023
Geht nicht, gibt’s nicht
24. Oktober 2023„Die Freiheit, allein zu sein“ von Sarah Diehl
Eine Ermutigung
Brauche ich Mut, um allein zu sein? Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist, dass ich Nähe nur wohldosiert zulassen kann.
Allein sein, so ganz weg von allen Menschen, ist das hier gemeint? Allein sein in einer Paarbeziehung? Alleinsein als neues Lebensmodel für Singles, die „gemeinsam“ nichts gebacken bekommen?
Irgendwie ist das hier alles gemeint und noch viel mehr! Ich las dieses Buch mit Begeisterung, denn es ist vielseitig und vielschichtig.
Ich brauche meine Freiheit, dass ist mir in den letzten Jahren immer klarer bewusst geworden. Freiheit, zu tun und zu lassen, was ich möchte, ohne dass andere dadurch verletzt werden.
Keine Rücksprache halten zu müssen, spontan zu sein, erst sich für A entscheiden und dann doch B wählen. Keine Kompromisse, und schon gar keine dieser Art, wo ich vor dem eigentlichen Kompromiss schon so viele Abstriche mache, dass der andere Mensch am Ende nur noch, nach natürlich weiteren Abstrichen, nur zustimmen kann.
Ich will das nicht mehr. Obwohl so ganz stimmt der vorherige Satz nicht: Ich will selbst entscheiden, ob ich das will. Ich möchte nicht für immer und ewig allein leben, gut, in meiner Wohnung schon, aber eben nicht ohne Bezugspersonen außerhalb meiner Wohnung. Ich möchte Freunde und Freundinnen um mich herumhaben, aber auch die Freiheit “nein“ zu sagen zu Treffen und Nähe und Austausch, wenn es denn einmal oder auch zweimal gar nicht passt. Dieses „Recht“ muss ich natürlich dann auch dem anderen zugestehen, aber ich bin zuversichtlich, dass dies möglich ist. Freiheit, die ich so leben kann, braucht dann auch kein Einsiedlerhaus in der Wildnis wie Sara Maitland in „How to be alone“. Aber in meinem Fall ganz deutlich mehr als das berühmte „Room of one’s own“ von Virginia Woolf. Etwas, was für Frauen in unserer Gesellschaft auch heute noch sehr oft versagt bleibt.
Ich möchte die Freiheit des Müßiggangs haben, ohne dass ich gleich als faul gebrandmarkt werde. Das ist aber abhängig von meiner direkten Umgebung. Also doch vielleicht lieber allein? Obwohl Faulenzen, Untätigkeit sein, Nichtstun ja gerade für Frauen aufgrund ihrer Sozialisation ein großes Problem sein kann. Denn schließlich ist Trägheit, Faulheit, ja eine der sieben Todsünden. Auch wenn wir nicht religiös erzogen wurden oder uns als religiös im Sinne von christlich einstufen, steckt dies in unserer Kultur. Denn jahrhundertelang waren Religion und Kultur eins.
Aber ich schweife ab zu einem anderen Buch, das werde ich später besprechen😉




