Weichenstellung

Lesung

19. September 2023

Spurwechsel

22. Oktober 2023

Lesung

19. September 2023

Spurwechsel

22. Oktober 2023

Ja, nein, vielleicht, sicher?

Ich bin kraftlos, leer, erschöpft, müde, ausgelaugt, kurz vor dem Ende, am Boden, Batterie leer, dünnhäutig und noch vieles mehr.

Mir fehlte die letzten Wochen sogar der Antrieb, um Beiträge für meinen wirklich geliebten Blog zu schreiben. Instagram geht, aber das ist auch kurzlebig, der Anspruch an Qualität selten vorhanden, da bestimmt Quantität das Bild.

Aber so bin ich nicht und will ich nicht sein. Aber natürlich mein Buch und meine Botschaft „verkaufen“, ab und zu dabei sein, und ja, ich freue mich tatsächlich noch über Feedback, das fünfte Like.

Aber dies hier ist anders, hat für mich eine andere Bedeutung und Funktion. Beim Schreiben kann ich mich sehr oft sortieren, mit mir selbst ins reine Kommen, neue Ideen kreieren, ich selbst sein, soweit die innere Zensur mich lässt.

Aber all dies ist seit mehreren Tagen, inzwischen eher schon Wochen, verschüttet. Ich kann sogar den Zeitpunkt benennen, ich weiß, worum es geht, aber das macht es nicht unbedingt besser. Ich habe mich von der letzten großen Fessel befreit, das Mietshaus, einer der Träume meines Mannes bis es dann zum Alptraum wurde, verkauft.
Idealvorstellung: Ich übergebe das ganze Projekt einem Makler und erst beim Notar habe ich wieder damit zu tun. Das Leben hat keine „Sams“punkte, ist kein „Wünsch-Dir was“, so dass es in Realität ganz anders war.

Wieder war ich zu „nett“ und ließ den Käufer vorher schon wirtschaften, gab natürlich Ärger und jede Menge Stress mit echten verborgenen Mängeln, die aber unbedingt vor der Übergabe noch ans Licht wollten,… Frau lernt manches Mal schwer dazu.

Männer erzählten mir, was zu tun sei, erzählten mir von ihrer jahrelangen Erfahrung mit x, meine Widerworte gingen unter, was nützt es, wenn ich an Ende doch „Recht“ hatte? Meine Seele schüttelte sich nur, aber bedauerlicherweise nix ab!
Ende September war endgültig Übergabe, das Haus bis auf eine Garage geräumt, mein Kind und ich genossen die neue Freiheit über ein verlängertes Wochenende in Sinsheim, Technikmuseum. Da ging es mir auch noch richtig gut, das Wetter war super und mein Körper hatte noch nicht realisiert, dass er loslassen kann.

Heute weiß ich, dass auch Loslassen Kraft kostet. Die, bildlich gesprochen, verkrampften Hände müssen sich langsam nach und nach öffnen, das Blut beginnt zu fließen, es kribbelt und sticht, wir alle kennen das Gefühl, wenn eine Gliedmaße „eingeschlafen“ ist. Loslassen nach fast 20 Jahren, wo doch sehr oft gegen sehr große Widerstände festgehalten wurde. Gar nicht so einfach, auch mental.

Und so konnte und wollte mein Körper Anfang Oktober nicht mehr und mein Geist bevorzugte den Zustand „geistige Leere“.

Inzwischen geht es besser, meine Finger tanzen heute über die Tastatur und ich hatte am Anfang zumindest den Hauch einer Idee für diesen Beitrag. Ja, es geht voran. Wohin?
In diesem Fall nach langen Ringen mit mir selbst in die Erfüllung eines Kindheitstraums:
Eine Reise nach Australien, über Weihnachten und Silvester, für sechs Wochen, mit Chauffeur und Begleitung😉 Diese Entscheidung bedeutet ganz praktisch, dass ich mich gegen eine Erhöhung meiner Altersvorsorge ausspreche, den Gewinn aus dem Hausverkauf nach Ansicht des einen und der anderen sinnlos verprasse. Und ich mir doch am besten heute schon Gedanken machen soll, wie ich später mit meiner Altersarmut umgehe. Schließlich habe ich jahrzehntelang nur Teilzeit gearbeitet, Kindererziehung und sonstige Care-Arbeiten im Rahmen einer Ehe zahlen sich finanziell ja nicht aus.

Ich lebe meinen Traum, auch wenn ich in der Realität feststellen muss, dass der Satz „Ich möchte nach Australien“ für ein Reisebüro als einzigen Hinweis tatsächlich ein bisschen dürftig ist. Aber als Kind wusste ich nichts von der Größe, wenig bis gar nichts von den Wahrzeichen bis auf den roten Felsen, Koalas und dem Opernhaus in Sydney. Ich verwirkliche einen Kindheitstraum, nicht den einer Erwachsenen…

Ist das gut oder schlecht? Nützt eine Einstufung dies bezüglich etwas? Nein, denn am Ende ist es wie es ist. Ich “verprasse“ mein Geld nach Lesart der einen, ich lebe meine Träume, Lesart Isa 😊

Aber dieses „Batterien leer“ ist ja nicht von heute auf morgen vorbei. Durch das Loslassen, durch das Losgelassene, entsteht erstmals eine Lücke, ein Loch. Kann das einfach so stehen bleiben oder sollte es schnellstmöglich mit etwas anderem gefüllt werden? Habe ich Kapazitäten frei für etwas Neues, Anderes?

Ja, mein Körper, Geist und auch die Seele sagen mir, dass es Zeit für eine Veränderung ist. Ich merke es in meinem Verhalten, in meinen Ansprüchen mir selbst und anderen gegenüber. Ich denke, dass es eine Zeit vor und nach Australien geben wird, dass die Weichen neu gestellt werden. Ich mich neu orientiere. Und dass ich vorher noch die eine und andere emotionale Baustelle gerne schließen möchte. Oder aber auch hier loslassen: Menschen, Vertraute, Wegbegleiter.

Als ich das letzte Mal vor knapp drei Wochen bei der Frisöse meines Vertrauens war, kam ich gegen meinen Willen mit einer Kurzhaarfrisur raus. Eine neue Frisur zu einem neuen Lebensabschnitt? Ich war zunächst erschrocken, jetzt scheint es ganz klar zu sein, schließlich wirbt der Salon mit dem Slogan „Schönheit personalisieren“.

Ist in dem Zusammenhang vielleicht auch meine Erfahrung beim Bodypainting zu betrachten? Eine Erfahrung, die ich mir ganz anders vorgestellt hatte? Mit deren Ausgang ich immer noch hadere? Dessen Fotos ich immer noch nicht ausgesucht habe, weil die Frau auf den Fotos mir völlig fremd ist und am schlimmsten: So vom Leben gezeichnet zu sein scheint? So voller Wunden und Traumata statt sprühend vor Leben, funkend und glitzernd? Sie, die Künstlerin, sagte mir zu Beginn, sie würde mit dem Arbeiten, was sie sieht. Aber mir gefällt das Ergebnis Ihrer Sichtweise nicht! Und jetzt? So stehen lassen oder doch mutig gucken, wo unter dem neuen Glanz, und den habe ich unbestreitbar, doch noch alte und sehr tiefe Wunden verborgen sind? Aber das Hingucken kostet Kraft. Habe ich die noch? Will ich den Rest meiner Energie darauf verwenden, ohne zu wissen, wann die nächste Aufladung erfolgt?

Meine Antwort ist einfach und schwierig zu gleich: Ein klares „Ja, ich will“ Unbedingt! Ich will meine Ressourcen nutzen, ich will ein erfülltes Leben! Ich will frei sein und glücklich, ohne Altlasten, also müssen evtl. vorhanden Eiterbeulen aufgestochen und ausgetrocknet werden.

Und ich merke jetzt schon die Schwere, die hinter dieser scheinbar leichten Entscheidung steckt. Ich muss, wenn ich gesunden will, in die eine und andere dunkele Ecke gucken, den Schmerz betrachten, auch die alten Glaubenssätze einzeln prüfen und dann loslassen. Und mit einer evtl. Leere leben. Ich weiß, dass ich das schaffe, denn ich habe Wegbegleiter, die mich unterstützen und mir auch mal über einen Bach oder durch ein tiefes Tal der Tränen helfen. Trotzdem, gehen muss ich den Weg allein, Begleitung macht ihn nur einfacher.

Weichenstellung? Ja, bitte. Neuer Weg: Richtung Sonnenseite des Lebens! 🌞🥳🥂