Uiguren

Lob oder Mahnung?

6. Juni 2022

Dschinns

12. Juni 2022

Lob oder Mahnung?

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Dschinns

12. Juni 2022

„Die Himmelsstürmerin“ von Rebiya Kadeer und Alexandra Cavelius

Wäscherin-Millionärin-Gefangene

Das Buch fiel mir, wie so viele andere, in die Hände als ich in einem Buchladen Zeit zum Stöbern hatte. Noch vor Monaten hätte ich mit dem Begriff, dem Volk der „Uiguren“ nichts anfangen können, aber heutzutage ist es anders. Chinas Menschenrechtsverletzungen an den Uiguren, die „Umerziehungslager“ schaffen es inzwischen bis ins Fernsehen, in die Nachrichten.

Wen ich früher darüber nachgedacht hätte, hatte mir klar sein müssen, dass Chinas Machthaber nicht nur die Tibeter unterdrücken und durch zwangsweise Assimilation auszulösen versuchen, sondern dass dieses Vorgehen auch für alle anderen Völker im chinesischen Vielvölkerstaat gelten muss. Aber das Reich der Mitte ist so weit weg und wenn es nicht gerade um Feminismus geht, bin ich relativ unpolitisch gewesen die letzten Jahrzehnte.

Zurück zum Buch, Ersterscheinung 2007, also schon eine Weile her, hat aber nichts von der Brisanz verloren. Es wird die Geschichte eines entbehrungsreichen Aufstiegs erzählt, Kindheit zu Zeiten der „Großen Hungersnot“ Angang der 1960er, Elternhaus relativ wohlhabend, früh verheiratet, für westliche Verhältnisse unheimlich viele Kinder, am Ende für Chinas damalige 1-Kindpolitik auch. Das Erkennen und Ausnutzen von Chancen, ohne die Risiken und Tiefschläge zu verschleiern. Bau des ersten Kaufhauses auf eine Art, die westlichen Vorstellungen noch fremd ist, sprich nur durch Bestechungsgelder möglich…

Mich faszinierte das Buch, die Geschichte dahinter, die Biographie. Die Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär ist eben nicht immer nur männlich, aber auch dann wäre es ein beeindruckender Lebensweg gewesen!

Die Jahre im Gefängnis, die geschilderte Brutalität, das Missachten der Menschenwürde, das Nichtzählen eines einzelnen Lebens, all das läuft unseren westlichen Wertevorstellungen zuwider, aber ist in anderen Teilen der Welt Realität! Da wurde mir wieder einmal klar, wie gut es mir in Deutschland trotz aller Probleme geht.