
Moin 2026
4. Januar 2026
Dass passiert mir doch nicht
18. Februar 2026Findet ein Bekannter
Das sagt einer meiner Bekannten ständig zu mir. Das verstehe ich gar nicht, denn für mich ist das normal. Aber vielleicht ist mein „normal“ auch einfach für andere zu viel?
Ich musste schon sehr früh Verantwortung übernehmen und mich um andere kümmern. Inzwischen liegt es irgendwie in meinem Blut. Toxisch? Hm, da müsste wohl eine Blutanalyse her.
Viel los, ja, die Zeit zum Schreiben war die letzten Monate wirklich knapp oder andere Dinge waren wichtiger…
Urlaub kurz vor und über Weihnachten. Der erstmal verlorene Prozess um die fristlose Kündigung der Wohnung. Der „Ayla Richter Froschkönigin Award 2.0“. Krank.
Aber heute, heute nehme ich mir kurz nach 6.00 Uhr die Zeit für einen kurzen Bericht.
Es ist Sonntag, alles dunkel draußen, noch. Mein Radio plärrt, ja, noch liegt die „To-Do- Liste“ in der Küche. Später dann nach dem Frühstück wird es „ernst“.
Was steht heute alles so auf dem Plan? Etwas für den Award, klar. Die Finanzierung ist ungeklärt. Welch Wunder, schließlich sind die wenigen Fördermittel nicht für Projekte wie meins ausgelegt. Ich brauche einen Verein an meiner Seite, aber alle die ich bisher angeschrieben habe, antworten nicht. Schweigen zermürbt. Bei allen kann ich nicht im Ton und Ausdruck danebengelegen haben…
Kontakt nur über Kontaktformular möglich und dann Null Ergebnis. Total frustrierend.
Es ist ja Kommunalwahlkampf in Bayern. Ich habe jetzt begonnen die Kandidaten, ja, mal wieder überwiegend nur Männer, ins Visier meiner Ansprache zu nehmen. Per Mail, immerhin schon 50 % Antworten (okay, von vier) und im direkten Gespräch.
Ja, mein Projekt der „Ayla Richter Froschkönigin Award“ sei ja toll und eine Bereicherung für die Stadt Bamberg, aber…
Inzwischen frage ich nicht nur mehr nach Geld, gibt es wahrscheinlich eh nicht, sondern ganz keck frech nach Support in Richtung Werbung, Connections, Netzwerk, oder besser Seilschaften. Ob da bei ihren Bekannten jemand dabei sei, der helfen könne. Tja, da wird es jetzt persönlich und das Ende der Fahnenstange des guten Willens ist erreicht. Wenn alle nur ein wenig geben würden, wäre viel erreicht.
Egal, gestern noch etwas Krasses gemacht:
Die Zeitschrift „Emotion“ vergibt einen Award für „Heldinnen“ in verschiedenen Kategorien. Und ich kann, darf und habe mich selbst vorgeschlagen. Denn Ayla Richter und ihr Award sind es wert einer breiten Masse bekannt gemacht zu werden. Tue Gutes und rede darüber. Und wir alle können mit wenig so viel bewirken.
Ich erinnere: Es gibt inzwischen ein „Froschköniginnenmagazin“, entstanden aus „einfach mal machen“. Früher war ich eine „bunte Hündin“, heute bin ich ein „Rule model“. Toll, obwohl ich immer noch ich bin!
Und was mache ich noch? Mich auf die Suche nach einer neuen Wohnung, die zu mir passt und meine Bedürfnisse erfüllt. Und dazu gehören neben einigen anderen Dingen Fahrstuhl und Tiefgaragenstellplatz. Vier Zimmer, klar, denn sobald ich mein Arbeitszimmer verlasse, möchte ich auch die Tür davor ganz festzuziehen. Gästezimmer, notwendig? Vielleicht nicht, aber ich hätte gerne eins. Und die Umgebung der Wohnung sollte auch passen.
Ich habe mir jetzt verschiedene Wohnungen im neu entstehenden Stadtviertel „Lagarde“ angeschaut. Erstmal total überteuert. 14,53 € den Quadratmeter und noch nicht einmal Erstbezug und Staffelmietvertrag über 5 Jahre, Parkhaus weit weit weg, ich bin gehbehindert, und dann kein Grün außer Unkraut.
Ich meine Bamberg ist doch sowieso schon viel zu warm, wie können dann geschlossene Bebauungen genehmigt werden? Karrees, die keinen Wind durchlassen, wo sich die Hitze staut, vor manchen Balkonen Photovoltaikpanelle, ähm, wie wird das in Sommer? Und dann der Slogan „Quirlig und urban“, da stelle ich mir definitiv etwas anderes vor als abgelegen und nichts drum herum. Keine Cafés, keine Restaurants. Ich nenne so etwas öde.
Umzug in eine definitiv kleinere Wohnung bedeutet Trennung. Von lieb gewonnenen Nachbarn. Das erste Mal in meinem Leben erlebe ich gelebte Nachbarschaft, zumindest mit zwei Menschen.
Umzug bedeutet aber auch Trennung von vielen Gegenständen, die ich vor etwas mehr als vier Jahren einfach so aus dem Haus mitnahm. Kleidung, nie getragen, weggeben. Brauche ich wirklich so viele Tupperdosen? Ich hatte ja mal drei Haushalte: Ferienwohnung, Wohnmobile und echtes Zuhause. Der Keller hier steht voll, was kann davon weg? Verkaufen oder verschenken. Ich kann mich schlecht trennen, wenn Mülltonne die einzige Option ist. Das ist doch noch gut! Damit bin ich aufgewachsen. Aber heute gibt es Billigscheiß aus China innerhalb von wenigen Stunden. Nichts mehr mit Qualität. Ja, die mehr als 50 Jahre Mangelmaschine muss mit, genauso wie die alte Braun Küchenmaschine. Aber das Kaffeebohnen Mahlwerk, das verkaufe ich tatsächlich für geringes Geld. Das Schnitzelwerk wird verschenkt, weil an einer Stelle beschädigt. Passt! Nein, nicht wirklich, aber es ist Zeit.
Schwieriger wird es mit der großen Einkaufstüte voller unsortierter Fotos und Negativen. Fotos aus einer Zeit, in der mein verstorbener Mann noch glücklich war. Als fast alles gut war. Sein Todestag jährte sich diese Woche zum achten Mal. Weil er gestorben ist, kann ich ein Leben leben, welches ich mir nie hätte vorstellen können. Absolut jenseits meiner Vorstellungskraft. Ich bin dankbar und fühle mich trotzdem manchmal schuldig.
Ich bin unschuldig an seinem Tod, ich mahnte ihn zum Arzt zu gehen, langsamer zu machen, aber er wollte nicht. Er musste der Ernährer der Familie sein. Etwas anderes kam nicht in Frage. Was würden die Leute denken? Tja, was würden die Leute denken? Denken die überhaut darüber nach, dass althergebrachte Vorstellungen und Glaubenssätze den Männern das Leben kosten können?
Feminismus ist auch für Männer gut, denn Frauenrechte sind Menschenrechte. Aber viele beginnen bei dem Wort „Frauenrecht“ ja schon wegzuhören. Meinem Mann hätte es das Leben gerettet, wenn er sich darauf eingelassen hätte, dass mein Gehalt unseren Lebensunterhalt bestreitet. Egal, was die Leute sagen…
Und sonst? Bei mir ist immer viel los, vielleicht. Der nächste „Equal Pay Day“ steht vor der Tür und natürlich habe ich mir etwas ausgedacht und ausgemacht. Ich freue mich sehr die Ausstellung „Wünsch Dir was! Make a Wish!“ mit zahlreichen Frauen besuchen zu können.
Ich wünsche mir Gleichstellung, jetzt und sofort. Gleichberechtigung auf allen Ebenen. Ich will jetzt vom selben Teller essen wie der Prinz, da spricht die Froschkönigin in mir, und auch das Essen bestimmen! Ich will, dass Leistungen von Frauen nicht mehr als selbstverständlich wahrgenommen werden, all die Care-Arbeit. Die mentale Load. Ja, seitdem ich fast nur noch für mich selbst verantwortlich bin, hat sich manches reduziert. Aber ganz verschwindet dieses “sich kümmern um“ bei mir wohl nie. Aber wenn ich das erkenne, kann ich mich willentlich entscheiden, was und wie viel ich übernehme. Sei es die neue Internetbekanntschaft, die einsam ist und Ansprache braucht, sei es der Mann, der vorgestern wie der Kasperl aus der Box mal wieder bei mir auftauchte und fragte, ob ich einen Liebhaber suche. Er hätte gerade Bedarf an F+. Wie unverfroren. Ich musste erstmal übersetzten, klar, Dating Portale sind schon länger nicht mehr meins. Und dann verbinde ich mit den Namen NICHTS. Weder positiv noch negativ. NICHTS. Ich glaube das letzte Mal tauchte er einfach so vor 2 Jahren auf. Selbe Botschaft. Der ist wohl seine alten Kontakte durchgegangen und meine Kontaktdaten standen da noch. Ich bin immer noch ein bisschen fassungslos, aber mich amüsiert das Ganze auch. Entweder total verzweifelt der Mann oder ich hatte Eindruck hinterlassen. Ich gehe ganz fest von letzterem aus 😉
Ich bin meistens noch viel zu höflich, habe kurz meine derzeitige Situation geschildert und ihn gebeten etwas von sich zu erzählen. Und was kam als Antwort: Wenn ich einen Liebhaber suche, er sei bereit. Also, nicht wirklich das, was ich hören oder lesen wollte. So ein Foto wäre nett gewesen, ein bisschen Lebensgeschichte, keine Ahnung was, Hauptsache etwas persönlicher, aber so? Immerhin kein „Dick PICK“ als Antwort.
Wenn es nicht so traurig wäre, würde es mich vielleicht mehr berühren. Denn er schreibt noch, dass er einsam ist und Zuneigung braucht. Was hat dieser Mann, mein Alter, denn in seinem Leben gelernt? Nicht, wie sich respektvoll einer fremden Frau zu nähern ist. Im Grunde sieht er mich als „Ding“ zur Befriedigung SEINER Wünsche. Sehr armselig. Und auch traurig.
Bei mir ist viel los? Wirklich? Ja, vielleicht. Vielleicht aber auch nur, weil ich so offen darüber rede. Nächsten Samstag ist die Geburtstagsfeier zum 90. Geburtstag meiner Mutter. Ich hatte eine Einladung erhalten, aber ziemlich schnell entsorgt. Mir war und ist klar, da gehe ich nicht hin. Eine Standarteinladung ohne persönliche Worte, das Porto hätte sie sich sparen können. Meine Mutter verbietet meinem Vater den Kontakt mit mir und lädt mich dann zur Familienfeier ein? Wie abgefuckt ist das denn? Da geht es um das heile Familienbild, aber längst nicht um mich, ihre älteste Tochter. Meine Lieblingsnichte rief letzte Woche an. Small Talk bis ich das Gespräch auf den Punkt brachte: „Fährst Du hin?“ „Klar“, ihre Antwort. „Schade, dass Du nicht eingeladen bist.“ Hä, ich war und bin eingeladen. Da zeigt sich mal wieder, was die restliche Familie als gegeben annimmt. Mein Sohn, der Enkel wird fahren. Er bat mich einmal mitzukommen, aber zum Glück bestand er nicht darauf. Auch für ihn wird es schwierig werden mit der abwesenden Mutter. Denn natürlich ist auch eine Abwesende anwesend…
Und emotional geht das Ganze auch nicht an mir vorbei. Ja, die Zeiten sind schwierig. Aber waren sie das nicht immer irgendwie? Es kommt doch darauf an, was wir daraus machen. Und für mich sind das Dinge, die mir guttun. Bekanntschaften mit Menschen, die mich und meine Persönlichkeit zu schätzen wissen. Wo ich mehr bin als nur ein Name. Sondern die Frau mit dem interessanten Leben, die ihre Träume lebt und Großes schafft. Auch und gerade für andere, denn auch das “Für andere“ ist Teil meiner DNA. Aber halt auch nur ein Teil. Daneben gibt es noch so viele andere Bereiche, manche erst noch zu entdecken. Und das kann ich nur, weil ich mir innere Freiheit erkämpft habe. Und ja, auch eine gewisse finanzielle Freiheit habe. Da habe ich hart für gearbeitet. Und das tun andere Frauen auch, hart arbeiten. Und trotzdem reicht es manchmal gerade nur für das Nötigste. Ich bin privilegiert und dessen bin ich mir bewusst.
„Wünsch dir was!“
Ich wünsche mir, dass Männer endlich ihre Privilegien im Patriachat erkennen. Dass wir keine „Equal Pay Days“ mehr brauchen. Ich wünsche es mir JETZT. Vor dem Frühstück. Aber dalli.




