Beschädigt?

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Durch den Beruf?

Instagram, Fluch und Segen zugleich. Manchmal. Dort bin ich mit zwei Accounts unterwegs. Einmal als Ayla Richter, mittelalte Dame, und zum anderen als Stifterin des „Froschkönigin Awards“.

Eine Berufsbezeichnung von mir gibt es dort nicht. Warum auch, tut nichts zur Sache.

Ab und zu erzähle ich in Sprachnachrichten davon, aber eher selten. Wenn es sich ergibt und sobald es passt. Denn mein Beruf ist ein Teil von mir. Ob ich will oder nicht. Und ich will, denn meistens ist er mehr als reiner Gelderwarb, sondern macht mir Spaß. Nicht immer, nicht jeden Tag, aber die überwiegende Zeit. Muss ich mich für meinen Beruf schämen, auch wenn dieser zu den ältesten Berufen der Welt gehört? Nein, auch wenn ich es früher getan habe. Heute stehe ich darüber, über der Scham.

Ich habe mich verändert und das ist gut so.

Berufsbeamtentun hat einen Makel in der Gesellschaft, einen großen. Und ja, wie oft habe ich mich selbst schon über welche geärgert, auch wenn ich Teil des Ganzen bin. Und natürlich sind unsere Befugnisse durch Gesetze geregelt, auch wenn es fast immer ein persönliches Ermessen gibt. Die Unkündbarkeit gibt Macht! Machen wir uns da nichts vor. Und Macht korrumpiert sehr häufig, siehe aktuelle Politik. Grundsätzlich weiß ich also, dass meine Berufsbezeichnung mit einem Mangel an Ansehen behaftet ist, mindestens.

Gestern, es geht mir um gestern, vielmehr um eine Reaktion auf Instagram. Okay, Instagram ist nicht das wahre Leben, aber manchmal halt auch nicht weit davon entfernt.

Ich habe dort Kontakt mit Menschen und Accounts, kann, muss aber nicht dasselbe sein. Die meisten Menschen dort kenne ich persönlich nicht, ergo, die mich auch nicht. Was wir haben, ist das, was wir anhand unserer Profile und Interaktionen voneinander zu wissen glauben. Viel oder wenig, je nach Betrachtungsweise. Ausreichend, um jedenfalls in eine Schublade gesteckt zu werden. Dabei ist das meiste von uns, wie bei einem Eisberg, unsichtbar. Ja. Und das ist bei mir nicht anders, denn Pseudonym und wenige Wörter im Profil geben mir natürlich auch die Möglichkeit mich, wenn schon nicht neu zu erfinden, doch zumindest von einer anderen Seite zu zeigen. Denn ich bin viele, wie viele von uns.

Diesem Menschen, um den es hier mir geht, hatte ich ein wenig supportet. Mehr oder weniger wie bei anderen Accounts auch. Wir hatten uns ausgetauscht, und ja, ich hatte ein bisschen aus meinem Leben erzählt, da ich sein reflektiertes Zuhören mag. Okay, vielleicht höre ich mich auch gerne Reden, aber das ist sekundär. Also habe ich erzählt, weil es für mich in den Kontext mit der Insolenz meiner Unfallversicherung passte, was ich so beruflich mache. Geheim vielleicht, aber kein Geheimnis. Tja, und dann die Reaktion. Hatte ich nicht erwartet, aber ja, sehr spontan. Ist legitim, darum geht es mir auch nicht. Inzwischen kann ich damit umgehen, und ja, NATÜRLICH war es nicht persönlich gemeint und hatte NICHTS mit mir als Person zu tun. Und jetzt die Frage aller Fragen: Ist es denn trennbar, mein Beruf, die Berufsbezeichnung und mein Ich, meine Persönlichkeit? Ja, ich weiß, die Reaktion galt eher meinen Berufsstand und nicht mir, der Figur Ayla Richter. Und trotzdem zuckte ich einen Moment ob der Heftigkeit zurück.

Ja, inzwischen habe ich gelernt die Unterschiede zwischen einem persönlichen Angriff und allgemeinen Floskeln zu erkennen und halte das eine und andere besser aus. Der Anwalt meines Vermieters zum Beispiel ist jemand, der sehr gerne austeilt, auch unter der Gürtelline und mit Unterstellungen nahe der Lüge arbeitet. Natürlich bin nicht ich als Person gemeint, wird mir von allen Bekannten und Freunden gesagt, das macht der immer so. Das sei Teil seines beruflichen Selbstverständnisses. Hm, macht den Angriff aber nicht ungeschehen oder weniger wirksam, solange mein Schutzschild mich nicht rundum schützt.

Ja, auch gestern fühlte ich mich einen winzigen Moment getroffen, eine Nano-Sekunde lang und dann rief ich mir ins Gedächtnis was dieser Mensch auf der anderen Seite vielleicht, nein eher ganz sicher, für Ärger mit Behörden hatte. Ich bin da in dem Moment einfach nur eine Stellvertreterin. Und ich muss mir das Kleid der Stellvertretung ja nicht anziehen. Ich kann es mir angucken, das tat ich gestern auch, und hängte es dann weg. NICHT meins! Heute nicht, morgen nicht und übermorgen schon gar nicht.

Aber ich finde trotzdem die Reaktionen interessant. Seine und meine. Ich bin immer noch dieselbe Menschin und trotzdem hatte ich für einen Moment einen Stempel auf der Stirn, der mich zu etwas ganz anderem machte! Und ich? Ich habe tatsächlich im Laufe der letzten Jahre gelernt zu differenzieren, zu erkennen, dass in dem Moment der Reaktion gar nicht ich gemeint war, also so mein „wahres“ Ich. Sondern nur das Bild von mir, welches sich mein Gegenüber gemacht hatte. Das war und ist beschädigt, nicht einmal 2.Wahl. Ja, spannend, die Erkenntnis. Und auch interessant die Frage, ob sich diese Beschädigung rückgängig machen lässt. Oder ob dieser Makel der Unvollkommenheit bleibt, so wie ein Kakaofleck auf einer weißen Bluse als Schatten immer sichtbar. Oder „visible Mending“ (kunstvolle, sichtbare Reparatur), ja, habe ich gegoogelt, braucht. Spannend der Prozess, meine Analyse des gesamten Vorfalls, denn vielleicht liege ich ja völlig falsch. Meine Küchentischpsychologie und ich, da geht ja noch was.

Ich nehme mit:
Ich bin mehr als die Summe meiner Teile. Und wenn einem anderen Menschen Einzelteile nicht gefallen, ich drücke es jetzt fast positiv aus, dann kann trotzdem die gesamte Kombi stimmen. Und für diese Erkenntnis bin ich dankbar.