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„Von Geistern und Schatten“
11. Juli 2024
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Wenn der Körper nicht so will…

Ich sitze gerade oder immer noch mit dem ersten Tee des Tages, meinem Smartphone und guter Laune im Hotelbett in Wien. Tolles Hotel, das „Gilbert“, total zentral, aber sehr ruhig und grün. Meine Freundin hatte nicht zu viel versprochen.

Ja, ich reise in Begleitung, obwohl ich richtiger Weise die Begleitung bin. Meine Freundin aus München möchte mir seit Sonntag für ein paar Tage „ihr“ Wien zeigen. Ich hatte mich seit Wochen auf den Kurzurlaub gefreut, die Wetterprognose mit Hitze zweifelnd begutachtet und einfach fast nur Kleider mitgenommen. Wollten eh mal wieder das Tageslicht sehen, endlich raus aus dem Schrank 😉, die Teile. Und seit Sonntagmittag sind wir hier und es wird immer deutlicher, dass mein rechtes Knie nicht mitgespielt. Hatte ich vergessen es einzuladen? Keine Ahnung.

Es schreit laut und deutlich „nein“. Und das ist suboptimal, höflich ausgedrückt. Für mich wegen der Schmerzen und für meine Freundin wegen der Umstände. Denn fast alle ihre Pläne mit mir und für mich fallen ins Wasser, besser, lösen sich in Luft auf. Schwierig, auch für mich. Wir haben uns jetzt geeinigt, etwas anderes bleibt ja auch gar nicht, getrennte Wege zu gehen, wobei genau das Gehen bei mir ja das Problem ist. Ich bin behindert!

Toll. Ich bin bildlich gesprochen der Klotz am Bein, will ich nicht sein, aber nach zwei halben Tagen kann ich die Realität nicht mehr leugnen. Gehen, wenn ja nur langsam. Ohne „Gepäck“. Denn gestern waren wir in einer tollen Buchhandlung shoppen, ich habe so richtig zugeschlagen, kiloweise Bücher, aber das Tragen ging direkt ins Knie 🤷Tja. Hatte ich vorher nicht bedacht, jetzt bin ich schlauer.

Es geht mir auch nicht ums Jammern, hilft eh nichts, sondern um die Realisierung eines Ist-Zustandes. Ich kann nicht mehr mithalten. Ich muss nach Pausen fragen. Unangenehm. Aber Überforderung macht es halt auch nicht besser. Abwägen. Was macht das mit unserer Freundschaft? Macht es etwas mit der Freundschaft? Offen darüber reden, klar, aber ein „Ich kann nicht mehr“ kommt mir halt immer noch schwer über die Lippen. Eingestehen von vermeintlicher Schwäche. Zumal ich auch Sicht meiner Freundin eh ungenügend auf meinen Körper achte, zu wenig Sport mache, das Falsche esse und überhaupt und sowieso.

Hat sie Recht? Geht es in so einem Fall ums Recht haben? Ich bin nahezu jeden Tag seit Monaten dankbar, wenn mein Geist klar ist, ich mich einigermaßen schmerzfrei bewegen kann, halbwegs gut schlafe. Tja, und für Sport ist da dann einfach keine Zeit und kein Wille mehr da. Aber all das hilft mir hier in Wien eh momentan wenig, das Sinnieren über verpasste Gelegenheiten.

Und ich merke auch, wie groß mein Freiheitsdrang ist. Ich bestimme, was ich mache. Und bei meiner Freundin ist es genauso. Und jetzt hocken da zwei unabhängige Seelen zusammen… Aber wir lassen uns nicht unterkriegen. Doch nicht von einem Knie, welches Leistung nur noch unter Protest erbringt! Ich werde mich langsam Richtung Frühstück bewegen und später dann mir ein schattiges Plätzchen im Volksgarten suchen. Oder das Naturkundemuseum besuchen. Oder einfach auch nur die Seele baumeln lassen in einem alten Wiener Kaffeehaus. Das Leben ist voller Möglichkeiten, auch und gerade hier in Wien. Und mittags essen wir zusammen und entscheiden neu😄