
Tamara
15. Februar 2024
Pflanzen, Ernten, Erben ?
27. Februar 2024Andere Welt, andere Zeit, gleiche Probleme
Kassandra kauerte sich zusammen. Zog ihr Asche bedecktes Cape fester um sich, hielt den Griffel mit der rechten Hand umklammert. Wie sie hierher gekommen war, wusste sie nicht mehr, zuviel war in den letzten Stunden geschehen.
Gehetzt von den Furien, die auch jetzt im Dunkel auf sie lauerten, schleichend näher kamen. Sie umkreisten. Sie fror, Erschöpfung machte sich breit. Wie hatte es nur so weit kommen können, warum hatte ihr niemand geglaubt? Verzweifelt schluchzte sie auf.
Aufgeben? Sterben? So wie fast ihre gesamte Familie beim Fall von Troia? Was sagte die Weissagung über sie, Kassandra, die Tochter von Königin Hekabe? Sie wusste es nicht mehr. Aber, die Mitnahme von Griffel und Tafel auf ihrer Flucht musste einen Zweck haben, weshalb hätte sie sonst gerade diese Teile retten wollen? Die Furien kamen näher, sie konnte schon das Leuchten der roten Augen sehen. Wenn sie schon sterben sollte, dann aber nicht ohne letzte Worte.
„Verzeih mir meinen Neid auf Dein Aussehen, Helena“, war der erste Satz. Kaum war dieser eingeritzt, verschwand eine Megäre unbemerkt. „Verzeih mir meine Eifersucht, Polydoros, Mutter zog dich immer mir vor“. Wieder entschwand eine Bestie. „Apollon, was hast Du mir mit Deiner Wollust angetan?“ Scham erfüllte sie immer noch, auch wenn sie für einen schrecklichen Preis widerstanden hatte. Aber durch das Aufschreiben entfernte sich wieder eine dieser widerlichen Wesen um sie herum.
Sollte das das Mittel zur Rettung sein? Benennen von Gefühlen wie Zorn, Wut, Trauer, gleichzeitiges Freisprechen des eigenen Ichs ? Vergebung sich selbst und anderen gegenüber? Sie konnte gar nicht so schnell ritzen, wie die Gedanken kamen. Und nach und nach wurde es lichter um sie. Die Schwärze der Nacht, die Schwärze der Furien wich einem strahlenden neuen Tag.
Hintergrund: Schlacht um Troia, Tochter des Priamos, Flucht
Talent: Weissagungen, tugendhaft
Makel: Niemand glaubt ihr, Frau




