
Buchtipp für Farbliebhaber/-innen
26. Januar 2024
Equal Pay Day
3. Februar 2024Zeit ist relativ
Das wusste schon Albert Einstein.
Ich habe mir gestern den letzten Kalender für meine Wohnung gekauft, vielleicht 😉. Ich bin ein Gewohnheitsmensch und die leeren Stellen in meiner Wohnung, gleich nach meiner Rückkehr aus Sydney hatte ich die abgelaufenen entfernt, gefielen mir nicht. Ich mag es, wenn beim Frühstück machen mein Blick in der Küche auf einen Spruch(kalender) fällt. Die gelbe Wand im Esszimmer bekommt Akzente durch den Wandkalender.
Aber ich möchte hier keine Werbung für Kalender machen, sondern etwas über Zeit schreiben, meine Zeit und ihre Wahrnehmung. Beim letzten Kalender durfte ich 3 Blätter entfernen, bis ich in der aktuellen Woche ankam. Drei Wochen vom Jahr schon um. Wo war diese Zeit geblieben? Ja, ich war im Urlaub insgesamt 45 Tage, jeweils 2 für den Hin- und Rückflug, aber der Rest? Heute nur noch eine verschwommene Erinnerung, wenn ich mir nicht die Fotos oder die Reisebeschreibung anschaue. Der Kopf ist vom Jetlag allerding auch erst seit kurzem wieder befreit.
Wäsche gewaschen, das meiste aufgeräumt, und das war‘s mit 41 Tagen Down Under? Mit 23 Flug, mehr als 3200 gefahrenen Kilometern, ganz vielen Eindrücken im Bereich Landschaft wie „Golden Outback“ oder Naturreservaten? Mit kleinen Ortschaften mit mindestens einer touristischen Sehenswürdigkeit und Geschäften mit „To sold“? Mit den unterschiedlichsten B&B‘s und gerade denen, die angeblich die meisten Sterne hatten, machten am Ende auch am wenigsten her. Tollen Hotels, ja, da waren die Sterne echter Luxus und Lebensqualität, super Lage, wenn frau mitten im Geschehen sein wollte. Silvester, nur noch eine verschwommene Erinnerung, egal, meiner Meinung nach wird um den Jahreswechsel eh zu viel Tara gemacht.
Melbourne und Sydney, zwei Großstädte, die nach meiner Erfahrung ganz unterschiedlich mit der historischen Bausubstanz im Stadtkern umgehen. Die erstere überbaut, die andere baut so nah ran, dass das kleine alten Gebäude fast völlig verschwindet vom Hochhaus dahinter, ähm, den Hochhäusern. Denn „hoch gebaut“ wird da in der City an allen Enden und Ecken.
Ein öffentlicher Nahverkehr, der zum Bezahlen ganz einfache Modelle entwickelt hat, nach Einführung durchaus auch für älteren Touristinnen tauglich 😉. Das hätte ich gerne mitgenommen. Und das fehlende Gedränge in den Bussen, die Geduld, wenn Aussteigen/Einsteigen mit Tap-on oder Tap-off nicht gleich beim ersten Versuch klappt.
Das Miteinander der verschiedenen ‚People of Colour‘ oder auch ohne Farbe. Das war für mich, dem Dorfkind, doch ein Erlebnis. Denn Bamberg ist dies bezüglich nun wirklich keine Großstadt.
Das Alter unserer Busfahrer und Reiseleiter, die vielen deutlich älteren Menschen, die arbeiten. Nix mit Rente mit 67. Pustekuchen. Und nicht alle machten den Eindruck von reiner Freiwilligkeit. Aber es war angenehm, rücke ich selbst doch altersmäßig auch immer mehr vor. Dann geht „arbeiten“ eben langsamer an der Kasse im Supermarkt, und?
Und die Obdachlosen. Auch wenn mir hier der direkte Vergleich fehlt, aber in Sydney und Melbourne schienen sie tatsächlich auf der Straße zu leben, nicht nur wie bei uns zu vegetieren. Mehr als einmal bin ich unverhofft auf Schlafplätze gestoßen, die, bitte jetzt nicht falsch verstehen, „wohnlich“ aussahen. Mehrere Koffer mit Habseligkeiten, Matratze oder Hängematte, zweimal sah ich auch Bilder. Essen wurde abgelegt, auch wenn der Bewohner gerade abwesend war. Kaffee und Wasser sowie so. Von so etwas hatte ich ab und zu schon in Büchern gelesen, dass sich manche Protagonisten regelmäßig um „ihren“ Obdachlosen kümmern, aber eben noch nicht gesehen. Ob ich das gut oder schlecht finde, muss es überhaupt in Schubladen gepresst werden, weiß ich nicht. Es ist mir nur aufgefallen, es ist anders als hier in Deutschland, wo ich lebe.
Die Weite, die Entfernungen. Das war mir vorher nicht klar. Wenn wir stundenlang, Höchstgeschwindigkeit 110 km, meistens noch nicht einmal so viel, auf der Hauptverkehrsstraße fuhren und kaum Autos sahen. Auch keine Städte und Dörfer am Wegesrand, nur ab und zu mal eine ausgewiesene Bushaltestelle. Oder ganz versteckt am Horizont eine Farm. Diese Menschenleere auf 300, 400 Kilometern. Und wenn wir dann doch ab und zu ein Dorf passierten, spielte sich das „Leben“ soweit für uns erkennbar, an einer einzigen Straße ab. Manchmal waren wir schon durchgefahren bevor wir wirklich registrierten, dass es sich um eine „Kleinstadt“ handelte. Da wurde fahren dann auch anstrengend und öde, die Straße oft schnurgerade, der Horizont kaum auszumachen, die Landschaft rechts und links eintönig und für den kurzen Moment des Durchfahrens immer gleich. Da kamen uns drei Stunden dann ewig und noch länger vor.
Vorbei, für dieses Jahr auf jeden Fall. Aber 2025? Schließlich gibt es da unten noch das eine und andere zu entdecken. Und das Lebensgefühl halt. Die Sorglosigkeit eines Urlaubs, so weit weg vom normalen Alltag. Die andere Sprache, das andere Essen. Anders, aber nicht so weit anders, dass es schwierig und ständig zu einer Herausforderung wurde. Halt nur ab und zu. Kaum Verpflichtungen zu haben, Zufriedenheit pur. Und diese Zufriedenheit will ich zurück in mein Leben bekommen und festhalten. Dieses Gefühl kannte ich vorher nicht. Allein deswegen hat sich die Reise „Down Under“ gelohnt!




