
Frauenlesenacht
8. Mai 2023
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18. Mai 2023Kurt ist für meine Seele
Das war mir schon klar als ich Kurt zum ersten Mal sah, dort auf der Landesgartenschau in Bad Iburg. Fast fünf Jahre ist das jetzt her. Damals, so kurz nach dem Tod meines Mannes im Februar 2018.
Zeit, meine Geschichte mit Kurt zu erzählen. Zu erzählen, inwieweit mich Kurt verändert hat – ich mich selbst, aber Kurt war der Auslöser.
Wie er da so stand, seine rundliche Figur im blauweiß gestreiften Pullover, Hände in den Taschen, den Blick in die Ferne, der Teich zu seinen Füssen, die gelben Gummistiefel, da war es um mich geschehen. Einfach so. Den wollte ich haben, unbedingt. Oder doch nicht?
Den gesamten Gartenschaubesuch über ging mir Kurt nicht aus dem Sinn, wie gut er doch zu mir und meinem Garten passen würde. Allein schon, dass er in seinem früheren Leben Kapitän auf einer Elbfähre gewesen war, nahm ihn für mich ein. Er sprach mit mir, obwohl ich schon längst weg war, für die anderen Highlights der Gartenschau hatte ich kaum ein Auge. Schade bei der Höhe des Eintrittes, aber Frau muss Prioritäten setzen. An Ende eines langen Tages kam ich noch einmal bei ihm vorbei und erkundigte mich nach den möglichen Modalitäten eines Umzugs, eines Wohnungswechsels. Kurt jedoch hatte nicht viel zu sagen. Stumm, ja, gut, reden kann ich für zwei. Spaß beiseite, ich erkundigte mich nach dem Preis, wurde auf die Infothek verwiesen und bekam auch dort nur einen Flyer der Künstlerin. Nachfrage per Mail und dann war Abwarten angesagt. Als die Antwort dann kam, habe ich geschluckt, obwohl der Preis gar nicht so weit über meinen Vorstellungen lag. Aber so viel Geld nur für Kunst? Für eine Glasfiberfigur, auch wenn diese mit 163 cm eine nette Größe hat? Lieferung im Preis inbegriffen, hm. Wollte ich wirklich sooo unglaublich, also für mich unglaublich, viel Geld für Kurt ausgeben?
Ich hatte gelernt, es als Mantra verinnerlicht, dass Geld nur für notwendige Dinge ausgegeben wird. Sparen für morgen, so bin ich aufgewachsen, erzogen worden. So hatten mein Mann und ich gelebt. Sparsam ja, geizig nein, aber dies hier? Ich habe insgesamt vier Wochen zahlreiche Gespräche mit mir selbst geführt, das Für und Wider erörtert und am Ende mich für ein klares „Ja, ich will“ entschieden. Kurt war der erste „Mann“, für den ich Geld ausgab. Später fiel mir dies viel leichter 😊
Ich hatte mir mit Kurt zum ersten Mal in meinem Leben etwas gegönnt, was nicht unbedingt einen praktischen Nutzen hatte, kein Hobby war, sondern für ‚einfach nur so‘. Und dieser Kauf hat mich befreit. Befreit von dem Glaubenssatz „Spare für morgen!“ Denn was ist, wenn es kein Morgen gibt?
Mein Mann lebte nach dieser Devise, da passten wir schon gut zusammen, aber sein früher Tod ließen so viele seiner Träume und Pläne unerledigt zurück. Mir sollte das nicht passieren! Kurt war der Anfang einer langen Entwicklung, angestoßen vom „Witwentröster“ und bis heute nicht zu Ende. Endlich war nur die Versicherungssumme ☹
P.S.: Und da einer keiner ist, ließ ich Hannes anfertigen. Eine Auftragsarbeit. Das fiel mir schon deutlich leichter. Hannes ist für die Augen 😉





