Wie viel Gepäck ist genug?

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19. März 2023

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Die Kunst der Selbstbeschränkung

Ich fliege in den Urlaub, sehr weit weg, sehr teuer, persönliches Schicksal, egal. Geplant war eine Rundreise mit 12 Teilnehmenden und vier Autos, auch da wird der Platz schon knapp. Aktuelle Informationen sprechen von drei Autos, hm. Angeblich Benzinknappheit. Ich dachte Kuba ist mit Russland verbündet, naja, vielleicht hat auch der seit zwei Jahren gleichgebliebene Preis etwas mit dieser Entscheidung zu tun. Wer weiß? Und will ich das überhaupt wissen?

Dafür habe ich ein viel dringenderes Problem, nämlich die „fordende Bitte“ des Reiseleiters mit so gut wie keinem Gepäck zu reisen, wenige T-Shirts müssten doch reichen, waschen sei möglich, und ja, Koffer gehen gar nicht! Reisetaschen seien das neue „must have“. Das alles steht in der Reisebeschreibung nicht drin, ich las inzwischen nach, auch das Kleingedruckte…

Ich habe tatsächlich deswegen schlaflose Nächte hinter mir, denn ich besitze keine Reisetasche. Ich habe nur große Koffer, ich will mir keinen kleinen kaufen und eng sitzen bei über 30 Grad im Schatten will ich auch nicht! Aber das mit dem Sitzen ist nur ein Nebenkriegsschauplatz.

Ich überlegte hin und her, was mitzunehmen sei, aber die totale Einschränkung ist nicht meins, nicht so aus heiterem Himmel ohne mich richtig darauf einstellen zu können. Ich will meine Unterwäsche nicht selbst waschen und zum Waschen geben auch nicht. Das wird mir sehr schnell klar. Kleider oder T-Shirts und Shorts? Ich bin gewohnt Beides in ausreichendem Maß mitzunehmen. Tja. Dilemma, denn ich will natürlich nicht gleich zu Beginn in der Gruppe unangenehm auffallen, wenn bzw. weil ich vielleicht die Einzige bin, die reduzieren einfach nicht so hinbekommt wie sich das der Reiseleiter vorstellt. Ich diskutierte stundenklang mit mir selbst, auch Freundinnen und Kolleginnen bleiben nicht verschont, bis ich merkte so geht das Ganze nicht. Jegliche Vorfreude war inzwischen dahin, schlaflose Nächte bereits im Vorfeld, so hatte ich mir meinen Urlaub nicht vorgestellt. Definitiv nicht. Ich teilte meine Situation, den „Ist-Zustand“, dem Veranstalter mit.

Warum fällt mir der Verzicht so schwer? Das „go with the flow“? Oder ist mit diesem Satz etwas anderes gemeint? Ich weiß inzwischen, dass es mich stört von Fremden, dem Reiseleiter „Anweisungen“ zu erhalten. Das kann ich einfach nicht leiden, ich will frei sein, in vielen Dingen. Keine Unterordnung mehr, schon gar nicht unter einen Mann. Bei meiner Vorgeschichte auch kein Wunder. Und Verzichten will ich auch nicht, denn auch das habe ich Jahrzehnte lang getan, gespart für später…

Gut, hier geht es um Kleidung, Bücher, Kosmetik, nicht um Geld, aber mein Unterbewusstsein kann und will da nicht trennen. Carpe diem, ja, bitte, heute! Und dazu gehört für mich auch im Urlaub wählen zu können und nicht jeden Tag dasselbe anziehen zu „müssen“. Egoistisch, mag sein, mein Leben, meine Einstellung. Sehr viel „ich“ das erkenne ich durchaus.

Ich „darf“ inzwischen einen mittelgroßen Koffern mitnehmen, allein das „dürfen“ kotzt mich ja schon fast wieder an. Wie großzügig. Bestehe ich zu Recht auf meinem vermeintlichen Recht auf ausreichend Gepäck?
Ich weiß es nicht. Seit drei Tagen bin ich dabei die Kleidung zusammenzutragen, versuche wirklich zu reduzieren, z.B. drei Bücher statt vier, selbst wenn ich am Ende vielleicht nur zwei lesen werde. Eine Shorts, sehr wenige T-Shirts, drei Kleider. Vielleicht geht auch noch weniger, keine Ahnung. Aber ich erkenne, dass der Verzicht dann meine Entscheidung sein wird! Keine Fremdbestimmung, zumindest nicht so, dass es meiner Seele weh tut. Selbstschutz!
Im „worst-case“ und dieses Szenario habe ich inzwischen gedanklich durchgespielt, steige ich aus der Rundreise aus und miete mich irgendwo für den Rest der Reise ein. Mit dem „Aussteigen aus geführten Touren“ habe ich ja seit dem letzten Jahr, seit dem Islandurlaub, Erfahrung. Aussteigen kostet im Zweifelsfall nur Geld, nicht das Leben😉 Und Geld ist mir mein Seelenfrieden wert.