
Berechtigtes Interesse oder Terror?
17. Oktober 2022
Zwillinge?
29. Oktober 2022„Selbsteinladung“ ja bitte?
Letzte Woche gingen meine Pferde 🐎🐎🐎 mit mir durch. Aber so was von! Ich habe mich doch tatsächlich selbst (!!) bei jemandem zum Tee eingeladen.
Einfach so, weil ich die Person näher kennenlernen möchte. Ich. Mich. Selbst. Eingeladen!
Unglaublich. Ungeheuerlich. Trotzdem toll.
Es musste einfach sein. In dem Moment schien es mir einfach und normal zu sein. Meine Einladung wurde angenommen, ich freute mich, war glücklich.
Und dann? Dann kam der 🐱🐈 Katzenjammer. Was hatte ich getan? Mich selbst eingeladen?! Unmöglich. Undenkbar?!
Was traut Frau sich da? Und dann gab ich dem Bedürfnis nach und entschuldigte mich für mein Verhalten. Selbsteinladung bei einer Fremden, wo kommen wir da hin? Die Antwort finde ich klasse und sie gibt mir Anlass zum Weiterdenken:
Irgendwie ist es schon merkwürdig in unserer Gesellschaft. Überleg doch mal, man hat das Bedürfnis, sich dafür zu entschuldigen, wenn man jemanden darum bittet, sich doch mal persönlich kennenzulernen. Also ich finde es gut, wenn nicht vorhandene Pferde mit Menschen durchgehen. Genau das ist es doch, was die Welt braucht. Menschen, die sich sympathisch finden und Tee zusammen trinken möchten. 🙂
Ja, ich möchte mit dieser Frau Tee trinken, ich möchte sie näher kennenlernen. Gucken, ob wir noch mehr Gemeinsamkeiten finden als bisher schon ausgetauscht. Oder ob sich Gegensätze anziehen. Spaß haben, fröhlich sein, einfach etwas Neues machen.
Das letzte Mal als ich einfach so jefrau anquatschte, war als ich mich mit der Münchnerin in Rothenburg treffen wollte. Daraus ist eine Freundschaft entstanden, die mein Leben wieder und wieder bereichert.
Wo ist das Problem? Ich habe gegen Konventionen verstoßen, sonst hätte ich nicht das Bedürfnis nach Entschuldigung gehabt. Ein Verstoß, wenn es denn überhaupt einer war, der zu dem Zeitpunkt doch schon längst durch das „ja, ich will“ von der anderen Seite geheilt war. Wo ist also das Problem? Ich habe noch keine Antwort.
Liegt es vielleicht am Alter? Der Angst vor Zurückweisung? Kann aber nicht sein, denn ich hatte zu dem Punkt nicht nur ein klares „ja“, sondern sogar das Angebot sich in der Mitte zwischen unseren Wohnorten zu treffen. Also ein Verlassen der Komfortzone, der anderen Person, um mich zu treffen! Meine „Einladung“ war also voll angenommen und sogar erwidert worden und trotzdem hatte ich das Gefühl mit der Selbsteinladung etwas Falsches getan zu haben.
Warum? Darauf finde ich seit Tagen keine wirklichen Antworten. War ich zu „schnell“? Hätte ich Wochen der Bekanntschaft abwarten müssen? Was war es, was mich so triggerte, dass ich mich entschuldigte?
Ich diskutierte mit der Autorin am Mittwoch darüber. Erst verstand sie mich nicht, dabei versteht sie mich meistens besser als ich mich selbst. Sie fasst immer alles so schön kurz und prägnant zusammen.
Dann wurde klar, dass dieses „Phänomen“ durchaus weiträumiger zu sehen ist. Wer besucht tatsächlich noch Freunde spontan? Bekannte schon eher, stellten wir fest. Ich zum Beispiel am Jahresanfang bei meiner Abschiedstour durch Weisbrunn meine Nachbarn. Einfach so an der Tür geklingelt. Aber wer macht das sonst noch so? Die Zeugen Jehovas? Menschen, die uns etwas verkaufen wollen wie ein Zeitschriften-Abo? Wann stand das letzte Mal jemand spontan vor meiner Tür, um einen Besuch zu machen? Ich konnte mich nur an eine Begebenheit erinnern, im März 2018 nach dem Tod meines Manne, als Anna, damals eine Fremde, bei mir klingelte.
Wann haben wir verlernt spontan „Hallo“ zu sagen? Als die dörflichen Strukturen aufbrachen? Als es schick wurde, sich nur noch um die eigene Kleinfamilie zu kümmern und um ein paar sorgfältig ausgesuchte Freunde vielleicht zusätzlich? Wollen wir wirklich so leben? Will ich das? Durch die kluge Anmerkung, siehe oben, merke ich, dass ich mitten im Fragenkarussell bin.
Manchmal geht es nicht um die Antworten, sondern um die Fragen!




