
Unlearn Patriarchy
25. September 2022
Bleibt im Bücherschrank
6. Oktober 2022Und ich war dabei!
Was für ein Abend, was für ein Schaulaufen. Sogar den Silberhorn, den Abgeordneten, habe ich gesehen. Kein Kunststück, er saß ja nur wenige Reihen und Plätze vor mir. Ja, ich habe ein Abonnement von den Bamberger Symphonikern, das hätte ich mir nie träumen lassen. 10 x Klassik, das mir, wo ich doch gar keine Ahnung habe, welche Musik mir überhaupt gefällt. Aber die Werbung lag im Briefkasten und so griff ich zu, um herauszufinden, ob Klassik mir etwas geben kann und wenn ja was.
Ich war im Februar 2020 auf Kuba und da stellte ich fest, dass ich sehr wohl Musik mag, Livemusik. Das war mir vorher wie so vieles im Leben nicht klar. Aber welche Richtung bevorzuge ich? Zuhause läuft das Radio auf Bayern 3, so als Hintergrundgeräusch, wenn mir die Stille zu still ist. Aber kann ich sagen „Ich mag dies und das?“ Nein, kann ich nicht. Also mache ich mich auf das herauszufinden. So wie Julia Roberts in „Die Braut, die sich nicht traut“. Aber da ging es, glaube ich, um die Zubereitungsart von Eiern…
Bamberger Symphoniker, fußläufig von mir erreichbar, schon mal gut. Und auch wenn sich die Sitten bezüglich festlicher Kleidung inzwischen gelockert haben, war das Konzert doch ein Grund die Jeans aus- und eine schickere Stoffhose anzuziehen. Und später die Sportschuhe mit den Stiefeletten zu tauschen. Gleich ein anders Feeling! Ja. Eine Verabredung mit mir selbst. Reihe 5, hm, und dann die Spannung, wie werden die „Nachbarn“ rechts und links sein? Small Talk oder Schweigen? Ich hatte an diesem Abend Glück, der Herr trug nicht nur Anzug mit rotem Einstecktuch, so fand ich die Reihe leicht wieder, sondern schien ein echter Kenner zu sein. Ich stellte relativ schnell klar, dass ich null Ahnung habe und trotzdem „just for fun“ hier sei. Und ich konnte dem Violinen Konzert, erstes Stück, Programmänderung, mit dem Meistervirtuosen Zimmermann als Solisten auch wirklich nichts abgewinnen. Und dann soll ich frenetisch klatschen wie alle anderen? Sah ich irgendwie nicht ein. Führte um mich herum dann auch schnell zu Befremdung.
Ja, es mag ja Sitte sein und Applaus ist das Brot der Künstler. Aber ich fand es nicht doll, es ist sein Job und ich bezahle dann doch lieber etwas mehr an der Kasse. Was mich zu der Frage bringt, ob der Abgeordnete Silberhorn für seine Karten bezahlte?
Auch nach der Pause, die Schauspiele dort habe ich richtig genossen, eine Frau trug doch tatsächlich „totes Tier“, sprich echten Pelz, war das Konzert nicht meins, aber deutlich näher dran. Harfe, Orgel, Pauken und Trompeten, die volle Besetzung, ja, gefiel mir deutlich besser.
Trotzdem sah sich mein Nachbar am Ende zu der Bemerkung veranlasst „Sie hätten Ihr Geld lieber woanders investieren sollen. Und nur eine Einzelkarte kaufen.“ Hm, führte er sich von meiner mangelnden Begeisterung gestört?
Nein, ich teile seine Meinung hinsichtlich des „falsch“ angelegten Geldes nicht. Warum sollte ich? Ich hatte es mir vorher gut überlegt. Wenn ich ein Abonnement abschließe, dann bin ich ‚gezwungen‘ öfter hinzugehen. Denn von einem Besuch weiß ich noch lange nicht, ob es etwas für mich ist oder nicht, denn letztendlich kommt es immer auf das Stück und auch die eigene Stimmung an. So kann ich öfter hingehen, habe die Vielfalt und ja, natürlich doch Netz und doppelten Boden. Denn eine meiner Freundinnen ist bereit mir das Abonnent abzunehmen, wenn ich nicht mehr mag.
Mein Deal mit mir selbst ist fünfmal hingehen. Wenn der Funke dann nicht überspringt, dann kann, aber muss ich nicht, das Abo weitergeben. Ich finde diesen Plan gut. Ich habe etwas vor und wer weiß, was passiert?!
Also bin ich gespannt auf die nächsten vier Konzertabende. Vielleicht treffe ich ja auch nächstes Mal wieder Bekannte, gönne mir einen Sekt, was auch immer mein Herz da begehrt. Oder gehe in der Pause. Ich habe so viele Möglichkeiten, ich muss nur lernen sie zu nutzen.
Und dann wachsen die Bamberger Symphoniker und ich vielleicht ja doch zusammen, wie es das „Abschiedsgeschenk“ des Abends hofft.





