Einzelhandel: Quo vadis?

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14. Juli 2022

Zeitschrift?

27. Juli 2022

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14. Juli 2022

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27. Juli 2022

Letzte Woche war ich nach meiner Therapiestunde voller Endorphine. Ich war wirklich gut drauf, die Hitze machte mir nichts aus, auch nicht, dass ich von Wildensorg zu Fuß nach Hause laufen durfte. Der Rückweg war anders als der Hinweg über die Wildensorger Hauptstraße, Mensch, was hatte ich untrainierte Hausfrau da den Berg hoch gestöhnt.
Der Schweiß lief, es waren locker 30 Grad in Schatten, aber sooo viel Schatten gab es auf dem Weg nicht. Und dann der ewige Streit zwischen mir und dem Navi über die richtige Route. Aber vergessen, als ich am Ziel ankam und sogar noch 25 Minuten übrig waren. Selbst auf die Schulter geklopft, tut sonst ja keine/r.

Der Rückweg sollte über den Teufelsgraben erfolgen, ich hatte von diesem Pfad schon gehört. Spannend, irgendwann nur noch bergab, Ausblicke und Eindrücke. Ich wusste gar nicht, was für schöne Ecken es in Bamberg gibt. Aber wohnen will ich da nicht, im Teufelsgraben! Ein Auto kam entgegen und fast landete ich im Graben, als Fußgängerin. Puh, so breit bin ich doch gar nicht, aber das Auto. Oder ist nur die Straße, der Weg so schmal? Egal, beim 2. Auto war ich schlauer…

Domgrund, auch neu für mich, schön. Schattig. Belebt. Stadtnah. Kühler. Und dann kam ich mitten in der Stadt raus, huch, die Ecke kannte ich. Hier irgendwo hatte ich mir doch am Wochenende bei einem Hutladen die Nase am Fenster plattgedrückt: Dort gab schick verzierte Haarreifen im Fenster. Meine Kollegin kann meine „stationären“ Weihnachtsmänner nicht mehr sehen. Ich allerdings auch nicht, wenn diese auf dem Kopf sind😊

Geschäft hatte noch offen, also rein. Fast nichts angefasst, ich war doch etwas verschwitzt, aber doch den einen und anderen Haarreifen ausprobiert. Geplaudert und geplappert mit der Eigentümerin. Und irgendwann war klar, „Nimm 2“ hatte mal wieder gesiegt. Ich freute mich schon auf das Handeln, denn die „handmade“ Teile waren preislich zwar angemessen, aber natürlich deutlich teurer als der Einheitsbrei von DM. Und dann war nichts mit Handeln, wenn ich denn nicht unverschämt werden wollte. Der angesagte Preis lag ca. 13 % unter den addierten Einzelpreisen. Gut. Bezahlt, raus und ja, mich ein bisschen unwohl gefühlt. Über 10 % Preisnachlass ohne Handeln? Was war das denn?

Essen gehen oder nach Hause? Nach Hause, ich klebt ja immer noch, denn natürlich hatte ich mich vor meiner Wanderung pflichtgemäß mit Sonnencreme eingecremt. Und eine nicht klebende habe ich noch nicht gefunden…

Nach Hause, da liegt doch dieses Schmuckgeschäft auf dem Weg. Ob der Anhänger mit dem Opal noch im Schaufenster liegt? Auch da hatte ich mir schon oft die Zeit mit reinem Schauen vertrieben, aber irgendwie war mir das Stück immer deutlich zu teuer gewesen. Wenigstens gucken, gucken kostet ja noch nichts. Halt, was ist denn das für ein Schild? Sommerrabatt 15 % auf alles. Okay, 15 % minus, immer noch über Limit, aber nicht mehr soo viel. Und ich hatte ja gerade ein paar Euro gespart. Also rein. Ja, auch ohne Glas dazwischen sagte der Anhänger immer noch „Kauf mich! Nimm mich mit! Du willst mich! Hier und heute! Sofort!“ Manchmal tue ich, was mir gesagt wird😉Anprobiert, hin und her probiert, die Kette dazu passte mir nicht, aber da wurde relativ schnell und unkompliziert eine Lösung gefunden. Und dann kam von mir wirklich nur ein Spruch: „Was ist der Donnerstagabend-Feierabendpreis?“ „Da brauche ich den Taschenrechner,“ schallte es mir entgegen. Gut, ich kann Kopfrechnen, mal sehen, ob wir zu einem näherungsweisen identischen Ergebnis kommen. Kamen wir nicht! Wirklich nicht! Der ausgelobte Preis lag weit unter meiner Berechnung, meinem Wunschpreis! Deutlich drunter. Ich weiß, Margen sind verhandelbar, Handwerk auch hier, also geht der Preisnachlass zu Lasten des Unternehmerlohns, aber so viel? Natürlich habe ich „ja“ gesagt und gekauft. Mich über das Schnäppchen gefreut, aber, da war es wieder, das „aber“. Anscheinend musste noch etwas verkauft werden, um Miete, Strom, Wasser etc. zu bezahlen, denn, wie geschrieben, ich hatte in beiden Fällen definitiv noch keine Verhandlung im klassischen Sinn aufgenommen.

Als ich weiterging, freute ich mich zwar, machte mir aber auch Gedanken. Wo steht der Einzelhandel? Wird es den weiterhin in der mir bekannten Form geben? Kostenexplosion auf der einen Seite, auf der anderen zögerliches Kaufverhalten der Kunden, Kauf im Internet. Wo steuern wir hin? Und nein, das letzten Donnerstag war kein Einzelfall, ähnliches erlebte ich vor wenigen Wochen im Bekleidungsgeschäft. Denn wegen der zurückliegenden Coronajahre handel ich deutlich weniger als bisher und bekomme trotzdem gute Preisnachlässe, wenn ich mehr als ein Stück kaufe. Oder der Buchhändler meines Vertrauens, der nebenher als Lektor arbeiten muss. Stammkundenpreis. Okay, ich bin bei meinem Buchprojekt tatsächlich nicht bereit jeden Betrag für ein Lektorat zu zahlen. Trotzdem ich bin immer noch der Ansicht, dass Arbeit entsprechend zu vergüten ist. „Geiz ist geil!“ ist eben nicht meins! Ich mag es in Inhaber geführten Geschäften einzukaufen, mit meinem Namen angesprochen zu werden, etwas angeboten zu bekommen, was direkt auch mich zugeschnitten zu sein scheint. Ja, die Rechnungen von Amazon tragen auch meinen Namen, wenn ich ab und zu etwas bestellen muss, weil es im Baumarkt nicht vorrätig ist. Oder ein Buch, dass auch im Antiquariat nicht zu haben war. Das bestelle ich schon. Regelmäßig aber erst, nachdem ich den örtlichen Händlern eine Chance gab.

Denn ich will keine leblosen Innenstädte. Innenstädte, die fast nur noch Gastronomiebetriebe beherbergen, diese inzwischen mangels Personals auch schon früher schließen oder gar nicht mehr aufmachen. Paketboten, die aufgrund der körperlichen Belastung in Frührente müssen? Nein, nicht, wenn ich es verhindern kann. Wenigstens ein bisschen! Handelsriesen und Logistiker, die schlecht mit den Arbeitskräften umgehen zur Gewinnmaximierung – Gewinne, die dann im Ausland versteuert werden? Auch nein! Ausbildungsplätze nur noch als Logistiker? Hm, mein Kind ist groß und Enkel nicht in Sicht. Dennoch ein klares „Nein“! Wir brauchen die Berufsauswahl!

Und ich will die Vielfalt in den Innenstädten! Heute und morgen!