Visitenkarte

Der erste Stein

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Equal Pay Day – alles ein Irrtum?

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Meine Visitenkarte war nicht mehr zeitgemäß, denn die Anschrift hatte sich durch meinen Umzug geändert. Ursprünglich wollte ich die alte, von mir heißgeliebte, nicht verändern, nur die Adresse sollte schon stimmen. Irgendwie verstand das der von mir beauftragte Webdesigner nicht, vielleicht hatte ich mich auch unklar ausgedrückt, what ever, eines Tages bekam ich einen völlig überarbeiteten Entwurf. Und war ratlos.

Von wem war denn da die Rede? Wer stellte sich da vor? Das war doch nicht ich, oder? Frauenaktivistin? Ideengeberin? Coach, Autorin. Alles irgendwie wahr und irgendwie doch nicht. Das Ganze schien mir „too much“ zu sein, zu übertrieben. Ich merkte allerdings auch bei Umfragen im Bekanntenkreis, dass Männer damit überhaupt keine Probleme hatten, Frauen schon. Hoch- statt tiefstapeln, so typisch für Männer! Auch wenn das jetzt von mir voll verallgemeinernd ist. Diese Karte, dieser Entwurf kam nicht in Frage, never ever. Oder vielleicht doch? Es war ja nicht falsch, was darauf stand, alles Tätigkeiten, die ich tatsächlich ausübe, aber… Da war es wieder, das Unbehagen. Aber ich mache das „nur“ nebenbei. Macht ein bisschen „bloggen“ und Kurzgeschichten schreiben gleich eine Autorin aus mir? Einen Buchentwurf kritisch lesen und mit der Autorin diskutieren eine Lektorin? Ich schob die Idee einer neuen Visitenkarte einfach beiseite, bestellte bei jemand anders die alte mit geänderter Anschrift und war zufrieden. Zunächst.

Etwas nagte an mir. War die Idee mit dem neuen Design der Visitenkarte doch gut und richtig? Wer bin ich denn tatsächlich? Wer möchte ich denn sein? Was ist mir so wichtig, dass es unbedingt auf eine Visitenkarte „muss“? Als welche Person möchte ich mich präsentieren? Die Gedanken liefen mehrere Wochen im Kreis, mal schneller, mal langsamer. Sie zwangen mich dazu über mich selbst nachzudenken. Meine Fähigkeiten anzuerkennen, die ich über das Berufliche hinaus unzweifelhaft habe, zu benennen, wer ich bin und sein möchte, schwierig, aber nicht unmöglich. Und dann sollte die Karte auch noch hinreichend unbestimmt sein, durchaus auch zu einem Gespräch einladen, denn von der Ursprungsversion her ist eine Visitenkarte ja ein Türöffner im positiven Sinn.  
„Ideengeberin“ gefiel mir von Beginn an, dieses Wort habe ich von der Ursprungsidee gerettet, denn Ideen habe ich viele, immer und überall. Ideen zeichnen mich tatsächlich aus. Und dann „Epikerin“. Was für ein Wort. Ja, vielleicht ein bisschen zu intellektuell, aber egal. Denn es vereint meine Leidenschaften für das Geschichten erzählen, das Geschichten schreiben, das Lektorat, das Bloggen. Was für ein herrlich vielseitiger, dabei aber trotzdem unbekannter Begriff!

Und wenn ich schon in die Selbstdarstellung einsteige, dann auch bitte mit Foto, Frau gönnt sich ja sonst nichts! Was kann ich dafür, dass ich bei den Fotos des Webdesigners auch ungeschminkt so gut rüberkomme? Mir machen die jedes Mal beim Betrachten Lust auf mehr und stellen mich vor die Qual der Wahl. Aber am Ende war ganz klar, es konnte nur das eine Foto werden, das mit der kleinen roten Tasche als Pin in der Jacke. Der Pin, der für den Equal Pay Day steht, den Tag der „roten Tasche“, der Tag bis zu dem die Frauen rechnerisch immer noch länger (über den 31.12. eines Jahres hinaus) arbeiten müssen, um denselben Lohn zu erhalten wie Männer. Dieser Tag liegt in Deutschland seit Jahrzehnten immer noch unverändert im März! Furchtbar! Skandalös! Ja, doch Frauenrechtsaktivistin!  Wer sehen will, findet diesen Hinweis auf der Visitenkarte, Pin statt Holzhammer 😉

Rot passte als Farbe dann auch nicht mehr, hm, dann blau/türkis für das Wasser, welches ich so liebe. Wasser ist mein Element, ja, nehme ich.
Am Ende hatte ich mir sehr viele Gedanken gemacht, die von dem Webdesigner nur noch umgesetzt werden mussten. Zusammen bekamen wir es relativ schnell hin. Schließlich reicht „perfekt“ als Ergebnis völlig aus 😊